Als ChatGPT Anfang 2023 plötzlich in aller Munde war, habe ich mich auch begeistert mit KI beschäftigt: Ich habe mit den Sprachmodellen experimentiert und geschaut, wie ich die Chatbots für meinen Blog sinnvoll nutzen kann – ohne dass ich meine Blogartikel von der KI schreiben lasse. Jetzt, in 2026, hat KI die nächste Evolutionsstufe erklommen: Agentische KI ist jetzt für Jedermann einfach zugänglich – und das führt zu neuen Chancen und Risiken für Blogger!

Die Kurzversion: Klickzahlen brechen weg, AI Slop überschwemmt das Internet. Gleichzeitig macht KI uns als Blogger schneller, sichtbarer und unabhängiger als je zuvor. Hier liest du beide Seiten und wie ich KI persönlich für meinen Blog nutze.

Welche Chancen bietet KI für Blogger?

1. KI hilft uns, schnell bessere Texte zu schreiben

KIs wie ChatGPT und Claude helfen uns, unsere Blogartikel zu strukturieren, recherchieren und korrigieren. KIs unterstützen uns, fehlende Kapitel zu erkennen. Dadurch schreiben wir noch bessere Blogartikel – und zwar in einem viel höheren Tempo, als früher. Das gilt v. a. für Blogger, die viele Expertenartikel schreiben. KI ist der perfekte Ideen- und Sparringspartner: gerade für Solo-Blogger ist das Brainstorming-Element riesig. Du kannst dir mit KI Argumente, Gegenargumente, Lesergruppen, Titelideen, Hooks etc. erarbeiten. Das ist etwas anderes als „schneller schreiben“. Für mich selbst bedeutet die KI eine riesengroße Zeitersparnis – und sie ist meine Aha-Maschine! Dabei gilt: Ich lasse meine Blogartikel NICHT von der KI schreiben! Wenn wir in der KI-Ära eine gute Balance finden zwischen KI-Hilfe und eigenen Inhalten, können wir mit der KI schnell großartigen Content kreieren.

2. KI hilft bei allem rund um Website und Technik

Agentische KI, wie Claude Cowork, kann viele technische Probleme rund um unsere Website lösen. Und: Mit KI können wir Dinge machen, die vorher unmöglich waren! Du kannst nicht programmieren, hast aber eine Plugin-Idee für deinen Blog? Beschreibe deine Idee der KI und sie schreibt dir den Code dafür! Du kennst dich null mit Grafik-Design aus, willst aber trotzdem ein individuelles Blogdesign, das es auf keinem anderen Blog gibt? Kein Problem! Beschreibe einfach der KI, was du gerne hättest und sie kreiert dir z. B. einen CSS-Code, den du einfach nur noch in das entsprechende Feld einfügen musst. Und, tadaaa: individuelles Design! Du willst eine fancy Landingpage für deinen Newsletter? Die KI baut sie dir! Oder: Du hast ein technisches Problem auf deinem Blog? Die KI kann es für dich lösen!

Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell die KI Probleme lösen kann, für die ich mich früher in die technischen Untiefen meiner Website vertiefen musste. Ein Beispiel von meinem eigenen Blog: Einer meiner Blogartikel aus dem Jahr 2023 hatte aus unerklärlichen Gründen eine Headline, deren Schrift gefettet war. Nachdem ich selbst keine Lösung gefunden habe, habe ich den Blogartikel in der Bearbeitungsversion geöffnet, dann die Claude-Browser-Extension geöffnet, mein Problem in einem Satz geschildert – und Claude hat mir das Problem in unter einer Minute gelöst. Es war eine versteckte Formatierung, die ich beim Kopieren meines Blogartikeltextes aus einem Google-Dokument in meinen Blogartikel „mitgenommen“ habe.

3. Einfaches Content-Repurposing dank KI

KI kann aus einem Blogartikel schnell einen Newsletter-Text, einen LinkedIn-Post, ein Instagram-Karussell oder eine Podcast-Outline machen. Also genau das, was viele Blogger ohne Team früher nicht hinbekommen haben, weil es teuer und zeitaufwendig war. Und: Es war schlicht langweilige Arbeit, auf die ich selbst keine Lust hatte. Ich kenne viele Blogger, denen es genau so geht: Sie bloggen, teilen ihre Blogartikel aber fast gar nicht. Dank KI können Blogger heute ihre Sichtbarkeit mit wenig Aufwand stark erhöhen. Wir müssen einfach nur noch den kreativen Kern entwickeln, also unseren Blogartikel. Bei der Verteilung dieses Blogartikels kann dann KI einen Großteil der Arbeit übernehmen. Das ist gerade für dynamische Blogger sehr praktisch, weil sie besonders wenig Lust auf das Streuen ihrer Blogartikel haben. Da sie das früher manuell kaum gemacht haben, bietet sich ihnen in der KI-Ära gerade beim Thema Content-Repurposing ein riesengroßes Sichtbarkeits-Potential. Hier ist easy eine deutliche Steigerung der Klickzahlen möglich!

4. Übersetzungen und internationale Reichweite

„Wie kann ich meinen Blog zweisprachig machen?“ Das ist eine Frage, die in meinem Blogkurs „The Content Society“ besonders oft gestellt wird. Früher brauchten wir dafür ein Plugin, mit dem man die Sprache auf einer Website umschalten konnte. Die entsprechenden Inhalte mussten wir dann natürlich auch zweisprachig erstellen. Das war meistens relativ aufwendig. Und dann kam KI! Und damit entfiel die manuelle Übersetzungsarbeit. Mit Plugins, wie Google Translate, können wir unseren Blog zweisprachig oder sogar zig-sprachig machen! Ich selbst nutze aktuell nur die kostenlose „Schmalspurversion“ von Google Translate: Die Leute können auf meiner Website eine andere Sprache auswählen, wie z. B. Spanisch. Aber meine Blog-Inhalte sind nicht klassisch in spanischen Suchergebnissen indexiert. Und: Diese kostenlose Plugin-Version nutzt nicht die beste Übersetzungs-Software. Das werde ich bald ändern, es ist nur eine Sache von wenigen Klicks 😎

Mit einem Klick kann jeder Leser meine Website auf Spanisch, Englisch, Ungarisch usw. umschalten. Hier zeige ich die spanische Variante. Die Übersetzung erfolgt mit Google Translate.

Es ist einfach krass, was heute mit KI möglich ist – selbst mit kostenlosen Tools!

5. Einfache Bildgenerierung

KI-Bildgenerierung löst ein Problem, das viele Blogger nur zu gut kennen: Das fehlende Beitragsbild! Blogger können jetzt ein paar Fotos von sich z. B. bei ChatGPT hochladen und die KI macht für uns quasi ein kostenloses Fotoshooting. Wir können uns in ein Bürosetting versetzen lassen – oder an den Strand. Blogger sparen damit Zeit und Kosten. Endlich können wir Blog-Visuals erstellen, ohne in der Stockfoto-Hölle zu landen!

Ich selbst habe auch schon Bilder für meinen Blog und mein Business mit KI erstellt: Key Visuals, wie z. B. den Blogbot oder das Beitragsbild für meinen Aprilscherz-Blogartikel 2026. Denn, hey, wie hätte ich bitteschön ein Bild von mir mit Eichhörnchen herzaubern sollen? 😄 Und ich nutze KI gerne für Diagramme. Hier eine Auswahl von KI-generierten Bildern, die ich in den letzten Monaten für meinen Blog benutzt habe:

Insgesamt bin ich relativ zurückhaltend beim Thema KI-generierte Bilder. Denn: Echte Bilder empfinde ich als authentischer. Zudem sehe ich ein Fotoshooting nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Gelegenheit für die persönliche Weiterentwicklung. Ich kann dir nur empfehlen, ein echtes Fotoshooting zu machen! Damit schaffst du dann auch eine gute Grundlage, um mit der KI neue Bilder zu generieren. Hier zeigt sich wieder: Es ist kein Entweder-Oder. KI kann am besten in deinem Business funktionieren, wenn du sehr viel Eigenes hinein gibst.

6. KIs sind die Suchmaschinen der Zukunft und brechen alte SEO-Vorherrschaften auf

In KIs aufzutauchen, zitiert und verlinkt zu werden, ist wichtig für alle, die in Zukunft sichtbar sein/bleiben wollen. Schon heute reden viele nicht mehr von SEO, also von „Search Engine Optimization“, sondern von GEO (Generative Engine Optimization, also speziell auf KIs bezogen) oder sogar von AEO (Answer Engine Optimization: klassische Suchmaschinen und KIs, also alles, was eine Antwort gibt). KI verändert das Thema SEO von Grund auf, was für viele neue Blogger eine große Chance bietet: Während früher eine „alte“ Webseite Gold wert war und automatisch einen Ranking-Vorsprung hatte, weil sie für Suchmaschinen als vertrauenswürdig und etabliert galten, können sich neue Blogger in der KI-Ära viel schneller etablieren – sofern sie gute Inhalte produzieren. Qualität wird in der KI-Ära neu bewertet.

Welche Gefahren birgt KI für Blogger?

1. AI Slop überschwemmt das Internet

KI-generierte Nonsense-Inhalte verdrängen von Menschen erstellte Inhalte. Besonders gut sieht man AI Slop jetzt auf Social Media, wo AI Slop bei den Shorts und Reels jetzt schon einen Großteil der Inhalte ausmacht. Das sind dann z. B. von einer KI im schnellen Sprachtempo vorgetragene wirre Geschichten oder aberwitzige Videos, die absolut keinen Sinn machen. Noch kann man bei vielen Videos einigermaßen erkennen, ob ein Video von der KI erstellt wurde. Aber die KIs werden immer besser und schon in wenigen Monaten werden wir KI-Videos nicht mehr von „richtigen“ Videos unterscheiden können. Bei Texten und Blogs sieht die Sache nicht besser aus: Die kontroverse Dead Internet Theory besagt, dass seit 2016 ein Großteil der Interaktionen im Internet, v. a. auf Social Media, aus KI, Bots und Fake-Content besteht. Weil diese Inhalte oft so krass, allgegenwärtig und hyperoptimiert sind, ziehen sie den Großteil der menschlichen Aufmerksamkeit an sich.

2. Datenschutz und DSGVO demotiviert viele Blogger – mal wieder!

Mit KI wird Datenschutz mal wieder ein großes Thema. Datenschutz und die DSGVO sind berüchtigt dafür, die Sargnägel der deutschsprachigen Blogosphäre gewesen zu sein. Direkt nach Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 hatten viele kleine Blogger Angst, den Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden und z. B. wegen ihrer Kommentarfunktion (die schon von Haus aus nicht 100 % konform mit dem deutschen DSGVO-Gesetz ist) abgemahnt zu werden. Also haben viele Blogger ihre Blogs abgeschaltet. Genau so wie zahlreiche Forenbetreiber. Das Internet wurde dadurch datenschutztechnisch kein besserer Ort, sondern einfach nur ärmer. Während sich heute viele Blogger immer noch bemühen, den Datenschutz-Anforderungen gerecht zu werden, scheren sich viele (alle?) KI-Modelle einen Schei* um Datenschutz. Auch jetzt fürchten v. a. viele Hobbyblogger, die also kein Geld mit ihrem Blog verdienen, den DSGVO-Hammer des Gesetzgebers. Also nutzen sie KI oft nicht, um bloß keine Angriffsfläche zu bieten. Mit dem Ergebnis, dass sie technologisch noch viel schneller abgehängt werden und im Vergleich zu Bloggern, die mit KI arbeiten, überhaupt nicht mehr mithalten können.

3. KI-Bots und AI-Traffic fressen das Internet

KI-Bots stellen jetzt schon einen Großteil des Traffics auf Blogs – ohne dass die Blogbetreiber etwas davon haben. Laut Cloudflare kommen 30 % des weltweiten Web-Traffics inzwischen von Bots. Und 80 % davon sind KI-Daten-Crawler, die alle erreichbaren Texte einsaugen, um damit ihre Sprachmodelle zu füttern. Die größten Übeltäter: Meta (52 % des KI-Bot-Traffics), Google (23 %) und OpenAI (20 %). Diese KI-Bots gehen dabei brutal vor: Sie erzeugen Traffic-Spitzen, die das normale Niveau um das 10- bis 20-fache übersteigen. Sie ignorieren die alten Spielregeln, mit denen sich Webseiten gegen aggressives Crawling wehren konnten (die sogenannten robots.txt-Dateien). Und sie sind unersättlich: Sie greifen den kompletten Seitentext ab und arbeiten sich auch durch versteckte Unterseiten, ohne sich an die Crawl-Pausen zu halten, die klassische Bots respektieren. [Quelle: The Register, August 2025]

Früher gab es zwischen den Crawl-Bots von Suchmaschinen, wie Google, und den Bloggern stillschweigend einen Deal: Google schickt regelmäßig und in Maßen seine Crawl-Bots vorbei, um zu schauen, ob es etwas Neues auf den Webseiten gibt. Dafür bekommen die Blogger Sichtbarkeit in den Suchmaschinen: Sie werden dort in kurzen Auszügen mit ihren neuen Blogartikeln angezeigt und bekommen dadurch Klicks auf ihre Website von Menschen, die an ihren Themen interessiert sind. Diese Klicks konnten die Blogger, wenn sie wollten, monetarisieren: Wenn Blogger auf ihrer Website Werbeanzeigen einblendeten, gab es immer einen gewissen Prozentsatz an Lesern, die darauf geklickt haben. Und zack, der Blogger hatte Einnahmen. Oder: Einige Blogger haben PDFs, Bücher, ihre DIY-Kreationen oder, wie ich, eine Dienstleistung angeboten. Sehr viele Blogger hatten zumindest einen kostenlosen Newsletter, in den sich auch immer ein gewisser Prozentsatz der Blogleser eingetragen hat. Mit diesem Newsletter haben viele Blogger anschließend Umsatz gemacht, indem sie ihren Abonnenten ihre Produkte oder Dienstleistungen angeboten haben.

All das bröckelt jetzt weg.

4. Blogger können KI-Traffic nicht monetarisieren – haben aber höhere Kosten

KI-Bots haben den stillschweigenden Deal, den Google mit den Bloggern hatte, brutal aufgekündigt. Mit ihrem Datenhunger überschwemmen sie die Webseiten und Blogs mit massivem Traffic, um den letzten Rest unverbrauchter, von Menschen geschriebener Texte, leerzusaugen und sie in ihre LLMs zu integrieren. Sie erzeugen Traffic-bedingte Probleme, wie z. B. dass viele kleine Webseiten einfach einknicken, als ob sie eine DDoS-Attacke abbekommen hätten. Und: Wenn eine Webseite länger als 3 Sekunden lädt, springen über 50 % der menschlichen Leser:innen ab. Genau das passiert, wenn KI-Bots die Server überfordern.

Dabei bringen diese KI-Bots den Bloggern nicht mal zusätzliche Sichtbarkeit. Ganz im Gegenteil: Viele KIs knausern extrem mit Links und zeigen Quellen oft nicht direkt an. Denn das Ziel der KIs ist es, die Menschen in den Chats zu halten. Webseiten, die dagegen halten wollen, müssen ihre Server upgraden – was mehr Kosten bedeutet. Und man fragt sich: Wofür eigentlich…? 🤔

5. AI Overviews killen den Klick

Apropos „Deal, den Google mit den Bloggern hatte“: Nicht nur ominöse KI-Farmen haben diesen Deal aufgekündigt, sondern auch Google selbst. Denn: Google hat im Jahr 2025 in seiner Suche die AI Overviews eingeführt: Sobald jemand bei Google etwas sucht, erscheint sofort eine KI-generierte Antwort, die sich die Antworten aus den entsprechenden Blogs und Webseiten schnell zusammensucht. Vielen Menschen reicht das, sie klicken sich dann nicht mehr in die einzelnen Webseiten. Die Folge: Die Klickzahlen bei vielen Blogs gehen runter. Bei einigen Bloggern, wie bei mir, nur schleichend. Bei anderen, wie z. B. Reisebloggern, oft dramatisch. Für Blogger, die ihren Traffic monetarisiert haben, z. B. durch Werbebanner oder Affiliate-Links, sind das schlechte Nachrichten.

6. Der Verlust der eigenen Stimme

Wenn alle Blogger mit denselben KIs schreiben und zu wenig eigenen Content hineingeben, werden die Blogartikel austauschbar. Das Motto bei KI lautet: Shit in, Shit out. Du musst viel von dir selbst in die KI hineingeben, sonst muss die KI irgendwas erfinden, um auf die erforderliche Wortanzahl zu kommen. Einfach nur ein paar Stichworte bei ChatGPT oder Claude reinzutippen, reicht NICHT, um einen wirklich guten Blogartikel herauszubekommen!

Die KI hat einen Default-Sound: glatt, gefällig, kurze Sätze, leicht amerikanisch im Aufbau, mit denselben rhetorischen Tricks. Und wer sich nicht aktiv dagegen wehrt, schreibt nach kurzer Zeit nicht mehr wie er selbst, sondern wie ChatGPT. Genau hier liegt aber auch eine riesige Chance: Wer seine eigene Stimme behält, sticht heraus. Die menschliche, eigensinnige, manchmal kantige Stimme wird in der KI-Ära zum echten Wettbewerbsvorteil. Bloggen heißt nicht mehr nur „Text zum Thema X produzieren“ – das kann die KI. Bloggen in der KI-Ära heißt: Etwas EIGENES produzieren!

7. Urheberrecht, Trainingsdaten und Diebstahl des geistigen Eigentums

Jeder AI Slop, egal, wie schlecht er sein mag, basiert auf realen Inhalten, die Menschen erstellt haben. Die KI-Modelle, mit denen wir heute so begeistert arbeiten, wurden vor allem mit Blogger-Texten trainiert. Also mit deinen und meinen Blogartikeln. Und zwar ohne unsere Erlaubnis. So gut wie alle Blogger sind betroffen – oft ohne es zu wissen. Ihre Artikel stecken irgendwo in den LLMs (Large Language Models) der großen KI-Konzerne und werden dort ohne Vergütung und ohne Quellenangabe als Trainingsmaterial genutzt. Die rechtliche Lage dazu ist noch unklar und wird uns die nächsten Jahre noch viel beschäftigen. Klar, ich bin großer Fan des Internets als globalem Wissensspeicher der Menschheit. Aber: Nur, wenn uns das allen zugute kommt! Wenn die KI aber alle Blogartikel auffrisst und zugleich die Blogger u. a. wegen Traffic-Terror verdrängt, sägt sie den Content-Arm ab, auf dem sie sitzt. Die KI nimmt unsere Texte UND unsere Klicks – und gibt (noch) nicht wirklich etwas substantielles zurück.

Eine weitere Gefahr, die ich in diesem Zusammenhang sehe: Mein Stil (und auch deiner) ist nachahmbar geworden. Eine KI, die mit genug meiner Blogartikel trainiert wurde, kann theoretisch jedem helfen, wie ich zu klingen. Das war früher unmöglich – oder zumindest sehr aufwendig. Besonders ausgeprägt ist dieses Problem gerade bei den Deep-Fakes: Man braucht nur ein paar Bilder und eine kurze Sprach-Aufzeichnung einer Person – und dann kann man dieser Person in einem täuschend echten Video alles in den Mund legen.

8. Halluzinationen und Faktenfehler

KIs sind keine Wahrheits-Maschinen, sondern setzen alles Wort für Wort nach Wahrscheinlichkeiten zusammen. Sie sagen also nicht unbedingt das, was wahr ist, sondern was wahrscheinlich ist. Wer KI-Texte ungeprüft veröffentlicht, läuft Gefahr, sich zu blamieren.

Ein gutes Beispiel dafür ist der MAHA-Report (kurz für „Make America Healthy Again“) aus den USA: Im Mai 2025 hat die Kommission unter Leitung des US-amerikanischen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. einen viel beachteten Bericht zur Kindergesundheit veröffentlicht. Klingt nach einem seriösen Dokument. War es aber nicht. Mindestens sieben Quellenangaben in dem Bericht waren fragwürdig: Vier zitierten wissenschaftliche Studien, die schlichtweg nicht existierten. Drei stellten reale Studien falsch dar. Wissenschaftler:innen wurden als Autor:innen von Artikeln aufgeführt, die sie nie geschrieben hatten. Der absolute Hammer: In den URLs mancher Quellen tauchte der Begriff „oaicite“ auf – ein Marker, den ChatGPT von OpenAI in Zitate einbaut. Damit war klar: Der Bericht wurde mithilfe von KI erstellt, und niemand hat danach geprüft, ob die Zitate überhaupt echt sind.

Und der MAHA-Report ist kein Einzelfall. Erfundene Zitate, falsche Jahreszahlen, ausgedachte Statistiken: Das passiert jeden Tag tausendfach im Internet, ohne dass jemand merkt. Genau das ist auch ein Grund, warum menschliche Blogger weiterhin Vertrauen aufbauen können: Wir prüfen unsere Quellen. Wir haben unsere Erfahrung. Wir können einordnen, was wahr ist und was nicht. Eine Gefahr, die ich in diesem Zusammenhang sehe: Wenn Blogger viele Blogartikel voller KI-Halluzinationen schreiben und sich die KI-Unternehmen an diesen Texten bedienen, um ihre datenhungrigen LLMs zu füttern, bauen wir ein Perpetuum-Bullshit-Mobile. Das Menschheits-Wissen droht, in AI Slop zu ertrinken.

Wie gehe ich persönlich mit KI um?

Ich erkläre es am Beispiel dieses Blogartikels, den du jetzt gerade liest: Zuerst habe ich selbst eine erste Struktur mit Inhalten geschrieben. Mein eigener, vollkommen KI-freier, erster Entwurf hatte ca. 1200 Wörter. Diesen Text habe ich dann in Claude Cowork reingegeben und die KI gebeten, mir zu helfen, fehlende Themen zu identifizieren. Claude hat mir dann sowohl für den Chancen- als auch für den Gefahren-Teil Themen genannt. Die habe ich dann aufgenommen und selbst ausformuliert. Der neue Text hatte dann 2000 Wörter. Diesen Text habe ich erneut in Claude Cowork gegeben. Und ERST DANN habe ich mir von Claude konkrete Text-Vorschläge für die noch fehlenden Stellen machen lassen. Diese Vorschläge habe ich übernommen und stark in meine eigene Sprache umformuliert.

Damit sind wir bei meinem KI-Prinzip: Der erste Entwurf kommt IMMER von mir. Und auch der letzte.

Konkret heißt das: Der erste Entwurf eines Blogartikels ist 100 % von mir. Je nach Thema sind das 500 bis 1500 Wörter. KI nutze ich vor allem für drei Dinge: Strukturieren, Brainstorming, Lektorat. Dazwischen darf die KI viel mitarbeiten und mir Ideen liefern. Aber an meiner Stelle schreibt sie nicht.

Eine klassische rote Linie, wofür ich KI nicht nutze, habe ich nicht. Aber bei manchen Anwendungen bin ich zurückhaltend. Zum Beispiel benutze ich relativ wenige KI-Bilder. Nur dort, wo es wirklich nicht anders geht. Mein Aprilscherz-Artikel 2026 ist ein gutes Beispiel: Woher hätte ich bitte ein echtes Foto von mir mit Eichhörnchen herbekommen sollen? 🐿️ In solchen Fällen ist KI ein Segen.

Für normale Beitragsbilder, Bilder von mir oder Bilder aus meinem Alltag benutze ich weiterhin echte Fotos. Das ist mir wichtig, weil ich auf meinem Blog als echter Mensch sichtbar sein will. Nicht als Avatar.

Fazit: KI ist eine Chance, wenn du dich als Blogger damit beschäftigst und unbeirrt dein Blog-Ding durchziehst!

Alles, worauf wir uns früher als Blogger verlassen konnten, bröckelt weg: Klicks – brechen ein. SEO – die Metriken, die sich in Jahrzehnten entwickelt und bewährt haben, werden irrelevant. Eine Blogosphäre, in der wir eingebettet und verlinkt sind – ist fragmentierter, als jemals zuvor und wird vom Dead Internet verdrängt.

Wir müssen uns heute fragen: Warum bloggen wir? Diese Frage ist in der KI-Ära drängender, als jemals zuvor! Denn wenn wir vor allem wegen SEO und Klickzahlen bloggen, haben wir in der KI-Ära schlechte Karten.

Aber wenn wir bloggen, weil wir etwas zu sagen haben, weil wir unsere Gedanken sortieren, unsere Erfahrungen teilen und Menschen um uns scharen wollen, die sich für unser Thema interessieren: dann ist die KI-Ära nicht das Ende deines Blogs, sondern eine Einladung, Bloggen neu zu denken.

Wenn du, wie ich, aus Spaß und Abenteuerlust mit dem Bloggen angefangen hast, dann stehst du auf der Gewinnerseite in der KI-Ära: Denn wir bloggen weiter, auch wenn vieles in der KI-Ära im Umbruch ist. Mit unserem Blog teilen wir unser Wissen, weil wir es lieben! Auch wenn wir noch nicht genau wissen, wohin die Reise in der KI-Ära geht. Ganz nebenbei machen wir damit unser Business sichtbarer und bauen uns eine kaufbereite Community auf.

Meine Prognose: Wer jetzt unbeirrt sein Blog-Ding durchzieht und mit eigener Stimme und einem klugen Einsatz von KI als Helferin (nicht als Ghostwriterin) regelmäßig bloggt, gehört in fünf Jahren zu denen, die überproportional sichtbar sein werden. Während Social Media in AI Slop untergehen wird, werden die Such… äh Antwortmaschinen noch mehr im „echten“ Internet nach authentischen Inhalten suchen. Und genau dort werden sie deinen Blog finden.

Das ist eine riesengroße Chance. Also: Blogge weiter – gerne auch mit KI an deiner Seite. Schreibe so, wie nur du es kannst. Und: Blog like nobody’s reading!