Gestern habe ich meinen Aprilscherz 2026 veröffentlicht: Ich habe mit Judith.aiaiai eine neurodivergente KI erschaffen. Schon beim Schreiben habe ich gespürt: Da steckt viel mehr dahinter, als man auf den ersten Blick sieht. Je länger ich über meinen Aprilscherz nachdenke, umso weniger absurd erscheint er mir. Und dann kam mir DIE Einsicht: ADHS und Künstliche Intelligenz sind ein echtes Dreamteam! Denn Fakt ist: Jahrelang galt ADHS als Handicap. Als Störung, die behandelt, kompensiert, maskiert, am besten irgendwie unsichtbar gemacht werden sollte. Ich aber behaupte: Das ist veraltetes Denken. Heute, in der chaotischen und sich rasant entwickelnden KI-Ära, ist ADHS eines der wertvollsten Features, die ein Mensch mitbringen kann.

Ja, du hast richtig gelesen: Feature. Nicht Fehler.

Mein Gefühl sagt mir: ADHS ist DIE Fähigkeit in der KI-Ära! Viele ADHS-Eigenschaften, die in „normalen“ Zeiten von vielen neurotypischen Menschen als seltsam oder gar negativ angesehen wurden, entwickeln sich jetzt in der KI-Ära zu Vorteilen.

Wichtig: Du musst keine offizielle ADHS-Diagnose haben, um die Eigenschaften, die ich in diesem Blogartikel anspreche, an dir erkennen „zu dürfen“. Ich selbst habe jahrelang nur vage vermutet, ADHS zu haben, bis ich mir mit 44 Jahren sehr sicher war. Mit 45 habe ich dann meine offizielle Diagnose erhalten. Und: Du bist neurotypisch? Das heißt nicht, dass du in der KI-Ära schlechtere Chancen hast – ich vermute, dass die große Stunde der Neurotypischen etwas verzögert schlagen wird, sobald die rasant-chaotische KI-Entwicklung etwas abflacht und sich feste(re) Strukturen ausbilden und sich die KI in geordnete Bahnen „fügen“ wird.

Warum KI die Spielregeln gerade komplett neu schreibt

Die letzten Jahrzehnte haben in der breiten Masse eine ganz bestimmte Art von Mensch belohnt: Den strukturierten, linearen, ausdauernden Ausführer. Wer Prozesse sauber abarbeiten, in stabilen Systemen arbeiten und sich jeden Tag konsequent stundenlang auf eine Aufgabe konzentrieren konnte, hatte die Nase vorn. Der perfekte Angestellte! Klar, gab es auch die erfolgreichen Paradiesvögel, die ganz offensichtlich neurodivergent waren und die nicht in dieses Schema gepasst haben. Aber das waren rar gesäte Kreative, Erben oder Startup-Gründer. Oder Milliardäre. Die Angestellten-Mentalität konnte nur eine geringe Menge an diesen erfolgreichen Paradiesvögeln verkraften.

Die „ganz normalen“ ADHS-Menschen hingegen? Die, die nicht genug Geld oder Privilegien hatten, die sie auf ihre ADHS-Probleme werfen konnten? Kamen in dieser Welt oft nicht gut zurecht. Ihr ständiges Springen zwischen Themen, ihre impulsiven Entscheidungen, ihre sehr stark schwankende Tagesform und ihre Schwierigkeit mit Routine: all das war in einer Welt, die Beständigkeit und Struktur belohnte, eher hinderlich. Menschen mit ADHS haben in der deutschen Angestellten-Welt oft nicht gut performt, viele wurden in diesem Arbeitsumfeld arbeitslos und depressiv. Kein Wunder, wenn kreative Umwege, Fehler und ein stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinn bestraft werden. Ich bin hier das beste Beispiel: Nach nur 2,5 Jahren in der Festanstellung musste ich mich quasi aus Notwehr selbständig machen, weil ich irgendwann feststellen musste: Ich bin eine Angstgestellte!

Aber diese Welt gibt es so nicht mehr. Diese alte Welt ist im Umbruch. Ich finde: Zum Glück!

KI verändert gerade fundamental, welche menschlichen Fähigkeiten gefragt sind. Routineaufgaben, repetitive Prozesse, strukturierte Ausführung von Standard-Aufgaben: das übernimmt ab jetzt die KI. Und die ganze Welt verfällt in Panik: Oh nein, die KI übernimmt Routinetätigkeiten von Assistenten und Sekretärinnen, wie Terminkoordination, Recherche und Organisation? Die KI bedroht Tätigkeiten, wie Steuerberatung und Korrekturlesen? Die KI übernimmt jetzt sogar juristische Standard-Aufgaben? Also alles Tätigkeiten, die mich frustrieren, blockieren und stressen? Ich verfalle da nicht in Panik, sondern bade in Freudentränen!

Klar, finde ich es nicht gut, dass schreibende Berufe, wie Texter, Übersetzer, Linguisten und Journalisten mit die ersten Berufe waren, die unter die KI-Räder gekommen sind. Aber: ich bin der festen Überzeugung, dass Kreative, die sich schnell an die neue Realität anpassen können und Chancen ergreifen, immer eine gute Zukunft haben werden. Zudem: Vielleicht killt die KI jetzt v. a. die vielen Bullshit Jobs. Und ja, wir brauchen eine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Lösung für die Entwicklungen, die die KI entfesselt. Aber diese Lösung kann für mich als neurodivergente Person NICHT heißen, auf KI zu verzichten.

Nichts ist so beständig, wie die Veränderung – gerade in der KI-Ära!

Der KI-Umbruch ist nicht der erste seiner Art. Er ist nur der größte Umbruch seit langer Zeit. Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich im Jahr 2000 mit meiner Grafik-Design-Ausbildung anfing – es war die Übergangszeit, in der wir in der Ausbildung immer noch Layouts von Hand erstellt haben, weil das der alte Goldstandard war. Dabei haben Programme wie Photoshop und QuarkXPress, die Anfang der 90er aufgekommen sind, schon längst die letzten handgemachten Layouts verdrängt. Sie haben die analoge Arbeitsweise für immer abgelöst, während wir in der Ausbildung immer noch Buchstaben von Hand ausgeschnitten haben.

So viele Berufe sind damals ausgestorben: Schriftsetzer, Reinzeichner, Reprofotografen, Retuscheure und Maskenzeichner (die haben Bildfreisteller und Montagen manuell erstellt – das macht jetzt Photoshop, Canva oder sogar mein Handy mit einem Klick). Und auch wir Mediengestalter haben uns gefragt, auf welche Welt wir da eigentlich vorbereitet werden. Damals traf der Umbruch vor allem hochspezialisierte Handwerksberufe in der Druckvorstufe. Heute trifft es Wissens- und Kreativberufe. Der Umbruch-Radius hat sich also enorm ausgeweitet – und schon wieder bin ich betroffen! Ich habe also eine gewisse Übung in digitalen Umwälzungen. Vielleicht bin ich deshalb in der KI-Ära so entspannt.

Denn ich kann etwas, das die KI nicht kann: kreativ querdenken, Chancen wittern, mutig ins Abenteuer springen, einfach mal experimentieren und schnell etwas neues adaptieren, Verbindungen herstellen, die kein Trainingsdatensatz vorhergesehen hat und Menschen begeistern. Und genau das ist das natürliche Terrain von vielen Menschen mit ADHS.

Diese 8 Superkräfte bringen ADHS-Menschen in der KI-Ära mit

Ok, zugegeben: Immer wenn früher das Wort „Superkraft“ in Verbindung mit „ADHS“ gefallen ist, hatte ich den spontanen Impuls, jemanden zu ohrfeigen (es blieb immer nur beim Impuls). Ich selbst habe meine ADHS-Features jahrelang als etwas sehr negatives wahrgenommen: Ich bin die chaotische, zeitblinde Person, die eine Konfettispur der kreativen Verwüstung hinter sich her zieht. Ich bin ein Mensch, der sich oft nicht motivieren kann, ein neues Projekt anzugehen – außer, es ist neu und aufregend (was halt früher in der Schule und im Studium leider nicht oft der Fall war). Aber WENN mich ein Projekt begeistert, setze ich es in Lichtgeschwindigkeit um und sprenge dabei die Qualitäts-Skala!

Ich erinnere mich noch, wie ich mich 5 Jahre lang um den Setup meines Newsletters gedrückt habe. Als ich dann doch Newsletter-Feuer gefangen und mich hingesetzt habe, um ihn aufzusetzen, hat das nicht mal 2 Stunden gedauert. Und ich nur so: „Und davor habe ich mich so lange gedrückt??“ Typische ADHS-Story 😄

Ich habe mit den Jahren meine ADHS-Erfolgsstrategien gefunden. Und genau deshalb, also weil ich selbst ADHS habe und schon seit Jahren diszipliniert an meinen Strategien gegen das Kopfchaos dran bin, erkenne ich, welcher Gamechanger die KI-Ära für uns ist! Und zwar aus mehreren Gründen:

1. ADHS-Menschen denken nicht-linear – und das erzeugt perfekte Prompts

Menschen mit ADHS denken nicht in geraden Linien. Sie denken in Schleifen, Sprüngen, Assoziationsketten, die andere kaum nachvollziehen können. In vielen Situationen wurde das als Schwäche gesehen: „Kannst du nicht mal beim Thema bleiben?“

In der KI-Ära sind genau diese kreativen Themensprünge und Assoziationsketten ein klarer Vorteil. Denn wer mit KI arbeitet, merkt schnell: Wer kreativ, ungewöhnlich und aus verschiedenen Winkeln fragt, bekommt bessere Antworten. ADHS-Menschen sind natürliche Prompter, denn sie sind intuitiv, assoziativ, unkonventionell. Sie stellen Fragen, auf die andere gar nicht kommen würden. Und genau das macht den kreativen Unterschied.

Und gleichzeitig haben ADHS’ler eine hohe Mehrdeutigkeitstoleranz: Sie haben oft weniger Probleme mit unperfekten Outputs. Jeder, der schon mal KI benutzt hat, weiß: KI-Outputs sind oft unvollständig, manchmal widersprüchlich und selten perfekt beim ersten Versuch. Viele Menschen hadern damit und sagen dann: Die Ergenisse der KI klingen nicht nach mir. Oder: Die KI versteht mein Thema nicht. ADHS-Menschen hingegen sind es gewohnt, mit Unordnung zu arbeiten, aus Fragmenten etwas Ganzes zu bauen und das Beste aus einem unvollständigen Material herauszuholen. Das ist eine wichtige Kompetenz in der KI-Zusammenarbeit.

2. Menschen mit ADHS sind risikobereit(er): ein großer Vorteil in einem Land der Zögerer

ADHS-Menschen sind oft risikobereiter. Das kann ins Auge gehen – aber in der KI-Ära ist es häufig ein riesiger Vorteil. Sie erkennen Chancen, wo andere noch Risiken abwägen. Gerade in Deutschland, wo die Mentalität von Natur aus eher risikoscheu ist, ist das ein echtes Differenzierungsmerkmal.

Meine Vermutung: Menschen mit ADHS sind unter den ersten, die KI wirklich adaptieren – die also ChatGPT, Claude & Co. nicht nur als Google-Ersatz nutzen, sondern Agentensysteme aufbauen und die nervigen Tätigkeiten weg-automatisieren. Ich bin mir sehr sicher, dass ADHS-Menschen in Early-Adopter-Communities, in Experimentierforen, in den Gruppen, die noch vor allen anderen herausfinden, wie man diese Technologie produktiv einsetzt, überrepräsentiert sind. Warum? Weil das ADHS-Gehirn Neues und Aufregendes liebt. Und KI ist genau das: neu und aufregend.

Ich selbst bin auch ein Risiko-Typ: Obwohl ich so viele Mindfucks, Blockaden und Ängste habe, heißt mein Motto schon seit Ewigkeiten: ich tue es TROTZDEM.

3. Hohe Frustrationstoleranz beim Scheitern: das unterschätzte Asset von ADHS’lern

ADHS-Menschen sind es gewohnt, Dinge auszuprobieren, zu scheitern und sofort wieder aufzustehen und weiterzumachen. Das ist exakt die Mentalität, die man braucht, wenn man mit KI arbeitet: Hier gilt es, viele Iterationsschleifen zu machen, schnell zu testen und keine Angst vor einem „schlechten“ Output zu haben. Das Motto lautet: Prompt. Ergebnis. Anpassen. Nochmal. Und nochmal.

Ich kenne das von mir selbst: Das letzte Mal, als ich von einer neuen Technologie so richtig gepackt wurde, war 2005, als ich das Bloggen für mich entdeckt habe. Ich bin mit einem Kopfsprung ins kalte Wasser gesprungen, ohne wirklich zu wissen, was ich da tat. Ich habe so vieles ausprobiert, habe zigfach meine Website zerschossen, technisch vieles verhauen. Egal. Denn ganz nebenbei habe ich dabei unfassbar viel gelernt, wovon ich heute noch profitiere. Dieses positive Verhältnis zum Scheitern ist kein Bug. Es ist ein Feature.

4. Hyperfokus und schnelles Lernen: perfekt für eine Welt im Dauerwandel

Es gibt diesen Zustand, den viele ADHS-Menschen sehr gut kennen: Den Hyperfokus. Man ist absolut im Flow, saugt Wissen zu einem Thema auf wie ein Schwamm, vergisst Zeit und Raum. In einer Welt, in der sich gefühlt jeden Tag neue KI-Tools, Modelle und Möglichkeiten die Klinke in die Hand geben, ist diese Fähigkeit Gold wert. Wer in wenigen Tagen das lernen kann, wofür andere Wochen oder sogar Monate brauchen (und das mit echter Begeisterung statt Pflichtgefühl), der ist in der KI-Ära ganz klar im Vorteil. Nicht nur, wenn sich der eigene Hyperfokus auf KI bezieht (wie bei mir), sondern auch, wenn sich unser Hyperfokus auf ganz andere Themen legt, die nichts mit KI zu tun haben. Denn: Wir haben jetzt mit KI einen starken Umsetzer an unserer Seite, der unseren Hyperfokus sehr produktiv gestalten kann.

Der Hyperfokus ist eine meiner besten Features. Ich habe jahrelang Hyperfokus-Strategien entwickelt, ohne überhaupt zu wissen, dass dieser Zustand einen offiziellen Namen hat (ich habe das früher einfach immer „Flow“ genannt). Ein Beispiel: In meinem Grafik-Design-Studium habe ich mir ein Photoshop-Buch gekauft und das in einer Woche durchgearbeitet, von morgens bis abends – und manchmal auch nachts. Denn: wir haben dieses Bildbearbeitungs-Programm damals im Studium nicht richtig durchgenommen, es hat mich aber brennend interessiert. Ich habe in kürzester Zeit alles aufgesaugt. Im normalen Unterricht hingegen war ich oft nicht so motiviert.

5. Hohe Chaos-Kompatibilität: endlich kommt die Stunde der Wilden

ADHS-Menschen funktionieren gut in chaotischen und sich schnell verändernden Settings. Da laufen sie zur Höchstform auf und performen gut, während andere in Schockstarre verfallen. Deshalb sind ADHS’ler z. B. bei Notfallmedizin, Polizei, Feuerwehr überrepräsentiert.

Das krasse Gegenteil davon sind stabile Zeiten und vorhersehbare, repetitive Tätigkeiten. Wenn alles gleich bleibt und der Alltag sich im Kreis dreht, fallen viele Menschen mit ADHS-Gehirn in eine Art Winterschlaf. Aber in wilden Zeiten, wenn sich alles gleichzeitig verändert, wenn alte Regeln nicht mehr gelten und neue noch nicht geschrieben sind, laufen ADHS-Menschen zur Hochform auf. Und mal ehrlich: Wilder als gerade war es selten.

6. Big-Picture-Denken eines Creative Directors: wir haben die Ideen, die KI ist der Umsetzer

Je mehr operative Aufgaben KI übernimmt, desto wichtiger wird das, was KI nicht kann: Die kreative Richtung vorgeben. Strategie entwickeln. Die richtigen Fragen stellen. Eine Vision formulieren. ADHS-Menschen denken lieber im großen Bild als im kleinen Detail. Ich selbst werde wahnsinnig, wenn ich mich um das Klein-Klein kümmern muss. In meiner Zeit als Freelance-Werbetexterin habe ich immer die Big Ideas entwickelt – und ich habe immer wieder betont, dass ich nicht die Umsetzung übernehme. Denn, boah: Mit Korrekturlesen, Reinzeichnung, alle Button-Texte und Sternchentexte schreiben – damit konnte man mich sehr zuverlässig jagen. Aus eigener, jahrelanger Erfahrung weiß ich: ADHS-Menschen sind die natürlichen Strategen, die Visionäre, die jemanden – oder etwas – brauchen, das die Umsetzung übernimmt. Dieser Jemand war oft eine Virtuelle Assitenz oder ein Angestellter. Ich habe mit Laszlo, meinem Ehemann, seit Jahren einen strategischen Umsetzer mit großen Technik-Skills an meiner Seite. Das kann sich nicht jeder leisten. Und so saßen viele ADHS’ler auf ihren Ideen, die sie nicht umsetzen konnten. Jetzt ist der Umsetzer aber für jedermann da: In Form von agentischer KI. („Mein“ Umsetzer, Laszlo, wird dann zunehmend strategische Aufgaben übernehmen)

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle in der KI-Ära zu Creative Directors werden: Kreativdirektoren, die die kreative Leitung übernehmen. Die Kernkompetenzen der KI-Ära heißen:

  • Die besten Ideen auszuwählen
  • Die Umsetzung zu leiten und korrektiv einzugreifen, um die besten Ergebnisse zu erzielen
  • Eine kreative Vision zu realisieren

Eine KI kann nur so gute Ergebnisse produzieren, wie es die kreative Kapazität des Menschen dahinter zulässt. Wir müssen in der KI-Ära unseren Kreativ- und Entscheidungsmuskel trainieren. ADHS’ler sind mit ihrer überbordenden Kreativität und schneller Entscheidungsfähigkeit dafür prädestiniert, Kreativdirektoren der KI-Ära zu sein.

7. Empathie kreiert Wow-Content, der tiefer geht

Viele ADHS-Menschen haben eine ausgeprägte emotionale Tiefe und Empathie: ein Merkmal, das in der Vergangenheit oft als „emotionale Dysregulation“ pathologisiert wurde. In einer Welt, in der KI immer mehr Logik und Prozesse übernimmt, wird Menschlichkeit und Verletzlichkeit zum echten Wettbewerbsvorteil. Echte Verbindung, echtes Verstehen, echte Empathie: das kann keine KI replizieren. Dabei ist es genau DAS, was es ADHS- bzw. AuDHS-Menschen ermöglicht, mit ihren Inhalten positiv aus dem AI-Slop herauszustechen. Ihre tiefe Empathie führt zu großartigen Blogartikeln, die trotz Google AI Overviews zigtausende Klicks bekommen. Unsere emotionale Tiefe lässt uns Postings, Newsletter und Bücher schreiben, die besser sind, als 99 % von allem, was wir in der KI-Ära sehen. Es ist Wow-Content, an dem andere Menschen hängenbleiben, weil er so echt, roh, besonders und gut ist.

8. Intrinsische Motivation als Superkraft

ADHS-Menschen funktionieren am besten, wenn sie für etwas wirklich brennen. Pflichtaufgaben ohne inneren Antrieb sind für ADHS’ler die absolute Qual. Aber andersherum gilt: Bei Projekten, die sie begeistern sind sie unaufhaltbar. Da kommen sie sofort ins Tun und erschaffen in einem rasanten Tempo großartige Dinge. ADHS-Menschen sind, sofern sie von etwas begeistert sind, legendär für ihre hohe intrinsische Motivation, die kein Halten kennt. KI verändert hier gerade etwas Fundamentales: Sie übernimmt die ungeliebten Aufgaben und lässt nur das übrig, was wirklich begeistert. Das ist für ADHS-Menschen eine riesige Erleichterung!

Diese ADHS-Schwächen kompensiert die KI

Menschen mit ADHS bringen also großartige Eigenschaften mit, die in der KI-Ära von Vorteil sind. Gleichzeitig haben ADHS’ler viele Eigenschaften, die schon seit jeher als sehr negativ gewertet wurden und die ständig zu Ärger und Frust geführt haben. Die KI kann jetzt viele dieser ADHS-Schwächen kompensieren – und ich LIEBE es!

1. Mangelnde Exekutivfunktion

Menschen mit ADHS haben viele Ideen. Wirklich viele. Nur: Die Ideen dann auch wirklich umzusetzen, fühlt sich für viele ADHS’ler an, als würden sie durch Watte waten. Die Exekutivfunktion, also das „Anpacken“, das Strukturieren, das Dranbleiben: das ist eine der klassischen ADHS-Schwächen. Fast jeder ADHS’ler wurde in der Schule faul genannt oder als „desinteressiert“ abgestempelt. Dabei war die Ursache kein fehlendes Interesse, sondern: eine fehlende Exekutiv-Funktion, die bei ADHS auf neurophysiologischen Unterschieden beruht.

Diese Schwäche hat sich dank KI gerade deutlich verkleinert. Agentische KI füllt genau diese Lücke: Sie kann Struktur aufbauen, Schritte formulieren, Projekte anfangen und, was gerade bei mir sehr wichtig ist, sie auch zu Ende bringen. Das löst bei mir gerade viele Blockaden auf und setzt eine massive Umsetzungs-Energie frei. Ein Beispiel: In den letzten 2 Wochen habe ich 5 sehr umfassende Blogartikel geschrieben – vorher war ich schon froh, wenn ich 2 Blogartikel pro Monat geschafft habe! Ob mein Aprilscherz 2026 oder „10 geniale Wege, wie Blogger Claude nutzen können„: Bei jedem dieser Blogartikel hat mir Claude geholfen, ins Tun zu kommen. Indem mir Claude aufgrund meiner Stichworte eine erste Textversion vorgeschlagen hat, konnte ich jeden einzelnen dieser Blogartikel viel schneller schreiben. Am Ende hat die Claude-Chrome-Erweiterung nochmal drüberoptimiert und mir bessere Headlines und Meta-Descriptions formuliert. Auch wenn mir die KI dabei geholfen hat: Das Ergebnis empfinde ich zu 100 % als meine Kreation.

2. Allergie gegen Repetition

Repetitive Aufgaben sind für viele ADHS-Menschen eine echte Qual: Bei Copy&Paste, technischer Umsetzung, Bugfixing und stupider Formatierungsarbeit fühle ich sofort, wie mir meine Lebenskraft aus den Ohren fließt. Früher hieß es: Zähne zusammenbeißen und durch. Oder: an eine andere Person delegieren (sofern man sich das finanziell leisten konnte). Heute heißt es: an die KI delegieren. Wenn wir agentische KI-Tools smart briefen, können sie einen Großteil dieser repetitiven Tätigkeiten übernehmen. Das ist kein Nice-to-Have für mich, sondern ein echter Gamechanger, der meine wertvolle Energie schont.

3. Chaos und Unordnung

Das ist meine Paradedisziplin: Ich bin ein Tab-Messie und habe zigtausend unsortierte Daten, Fotos und Unterlagen. In meinem E-Mail-Programm verlasse ich mich seit jeher auf die Suchfunktion und auf mein gutes Gedächtnis („wie hieß nochmal der Betreff von der einen E-Mail von vor 5 Jahren? Oder der Absender?“). Ich war immer schon fasziniert von Menschen, die ganz viele Ordner auf ihrem Computer haben, weil sie ihre Dateien konsequent sortieren. Oder die sogar eine „zero Inbox“ haben – also dass sie ihre E-Mails immer so diszipliniert abarbeiten, wegsortieren oder löschen, dass sie keine Mails mehr im Posteingang haben. Und ich nur so: äh…

Bild: Die Anzahl der E-Mails in meiner Inbox.

Die KI kann hier helfen: Sie kann Dateien und Mails sortieren (auch wenn ich die KI nicht an mein E-Mails ranlasse. Denn: Datenschutz, anyone?). Jetzt nutze ich gerade Claude Cowork, um meine zigtausend Layouts in Canva zu sortieren. Denn ich habe fast alle Canva-Layouts einfach so herumliegen. Sie sind nicht in die zig Ordner sortiert, die ich vor Jahren schon mal angelegt habe. Aber irgendwann ist mir dann die Ordnungs-Puste ausgegangen. Jetzt sortiert Claude meine Layouts und führt doppelte Ordner zusammen – was für eine Erleichterung für mich!

4. Stark schwankende Tagesform

Oft starte ich morgens mit einem vollen Akku, aber schon gegen Mittag merke ich: Oh-oh, ich komme in den roten Bereich! Die Folge davon sind z. B. meine häufigen Maulwurf-Wochen auf Instagram, wenn meine Energie nicht mehr ausreicht, um Postings zu machen. Social Müdia, par excellence! Oder: Ich verschiebe Launches, weil ich zu k.o. oder unmotiviert für die Erstellung der Creatives bin (Landingpage, Werbeanzeigen, E-Mail-Automation usw.).

Wenn ich der KI eine Aufgabe stellen kann, die sie selbständig ausführt und ich sie nicht jeden Tag aufs Neue briefen und anstoßen muss, ist das für mich eine riesengroße Erleichterung. Ich arbeite gerade an einem Agenten, der auf Basis meiner unregelmäßigen Inputs regelmäßige Social-Media-Postings erstellt.

Fazit: Wer hat in der KI-Ära die Nase vorn?

Meine These ist klar: ADHS-Menschen sind nicht trotz, sondern wegen ihrer Andersartigkeit für die KI-Ära besonders gut positioniert.

Die Eigenschaften, die jahrelang als Störung galten – das nicht-lineare Denken, die Risikobereitschaft, die Chaos-Kompatibilität, der Hyperfokus, die emotionale Intensität – sind jetzt gefragte Qualitäten. Und die Schwächen, die wirklich herausfordernd waren, werden zunehmend von KI kompensiert.

Das heißt nicht, dass ADHS plötzlich kein Herausforderung mehr ist. Es heißt, dass sich das Spielfeld verschoben hat. Und auf diesem neuen Spielfeld stehen viele ADHS-Menschen vielleicht zum ersten Mal ganz vorne. Nutzt eure Chance!