Agenturen und Powerpoint – keine Liebesgeschichte

Agenturen und Powerpoint. Hach. Eine Hassliebe 🙂 Über die Jahre habe ich aus eigenen und fremden Fehlern ein buntes Sammelsurium des „How not to“ angesammelt.

Hier die Top 10 meiner eigenen Powerpoint-JugendsĂŒnden und erlebten Powerpoint-Pannen in Werbeagenturen:

  1. Agenda! Hier fĂ€ngt das Grauen an. Das ist wie wenn man im Kino sitzt und einen Trailer sieht, der zu viel verrĂ€t. Manche schaffen es sogar, die Kernidee schon auf der Agenda-Folie zu verraten und damit den Spannungsbogen zu töten. Zwischendrin gibt’s dann die Zwischendrin-Agenda, damit der Kunde ja weiß, wo man steht. Kommt mir oft vor, wie einem Fortschrittsbalken in Windows zuzusehen, der sich zu langsam bewegt. Und dann der Klassiker: Zigmal wĂ€hrend der PrĂ€sentation zu sagen: „Wie vorhin bereits erwĂ€hnt, kommen wir jetzt zum Kapitel
“. Die Lösung: Keine Agenda. Gleich mit der PrĂ€sentation loslegen. Spart Zeit und ist viel unterhaltsamer.
  2. Logos! Auf jeder Folie das Agenturlogo. Und das Kundenlogo. Und dann unten am besten auch noch den Kundennamen auffĂŒhren. Links dann noch eine große Illustration. Unten natĂŒrlich die Seitenzahl, das Datum und ein Copyrightvermerk. Und ich frage mich still und heimlich: WARUM??? Das meiste davon kann man doch einmal auf Start- und Schlussfolie zeigen! Aber auf jeder Folie machen diese Elemente aus einem Drittel des Platzes totes Gebiet weil sie laut Master nicht ĂŒberdeckt werden dĂŒrfen. Apropos Copyrightvermerk: Ist letztlich sowieso sinnlos, weil wenn Kunden die Idee klauen wollen, die Agenturen vor Gericht sowieso immer den KĂŒrzeren ziehen. Eine Idee kann man nicht schĂŒtzen, erst recht nicht mit einem Copyrightvermerk in Powerpoint.
  3. Ich sehe was, was du nicht siehst: Eingebettete Videos und Bilder sind oft zu klein. BildschirmfĂŒllend geht ja nicht wegen Punkt 2. Emotional und begeisternd geht dann halt auch nicht. Ganz zu schweigen von den Pannen, wenn Videos nicht richtig eingebettet sind, sondern nur verlinkt wurden. Und dann bei der PrĂ€sentation keine Internetverbindung besteht oder das Video von YouTube gelöscht wurde.
  4. Keine Systemschriften? Beim Verschicken der Mastervorlage kann es dann vorkommen, dass es gar nicht auffĂ€llt, dass die coole Schrift vom Computer klammheimlich durch die uncoole Arial oder Verdana ersetzt wird – woher soll denn der EmpfĂ€nger (z.B. der Freelancer) wissen, wie die PrĂ€sentationsvorlage richtig aussieht? Erst kurz vor der PrĂ€sentation kommt dann vielleicht jemand auf die Idee , dass da was nicht stimmt. Und dann fĂ€ngt die doppelte Arbeit an. Gerne auch im Auto auf dem Weg zur PrĂ€sentation mit einem Laptop auf dem Schoß.
  5. Offene PPTs verschicken. Sollte man nur machen, wenn der Kunde die PrÀsentation intern, z.B. seinem Chef, prÀsentieren will und daher evtl. anpassen möchte. Sonst nicht. Könnte nÀmlich passieren, dass das gesamte Design zerschossen wird (siehe Punkt 4). Dann lieber ein PDF daraus machen und Videos, falls vorhanden, einfach verlinken.
  6. Zu viele grafische Reglementierungen: Zig Masterfolien fĂŒr alle EventualitĂ€ten – die dann doch nicht genutzt werden. Seltsame Animationen als FolienĂŒbergĂ€nge. Maximale und minimale BildergrĂ¶ĂŸen und dann bitte nicht mehr als zwei Bilder auf eine Folie. Nur diese drei Hausfarben! Das fĂŒhrt dann zwar zu eher einheitlichen PrĂ€sentationen, aber die sind meistens unspannend anzusehen.
  7. Zu kleine Schriften in zu stark reglementierten Textfeldern. Aber bitte nur dieses eine fancy AufzĂ€hlungszeichen! Und maximal drei AufzĂ€hlungen pro Folie. Was soll sonst der Kunde denken? So konzentriert man sich zu stark auf die Formatierung  – bleibt weniger Zeit fĂŒr den Inhalt. Und man kann gezwungenermaßen fast nur TextwĂŒsten erstellen. Ein fettes Schlagwort auf ein bildschirmfĂŒllendes Bild? Ist nicht drin, sprengt das Corporate Design. Was soll nur der Kunde denken?
  8. Was ist das Ziel? PrĂ€sentieren oder erklĂ€ren? Viele möchten beides, aber verfassen nur eine PrĂ€sentation. Und in einem Punkt scheitern sie dann: Entweder prĂ€sentieren sie eine ErklĂ€rprĂ€sentation schlecht (weil zu viel Text). Oder die begeisternde PrĂ€sentierprĂ€sentation ist nach dem Verschicken beim Kunden nicht selbsterklĂ€rend, die Begeisterung von der PrĂ€sentation verpufft im Emailpostfach. Die Lösung: FĂŒr eine Vor-Ort-PrĂ€sentation eine mitreißende PrĂ€sentierprĂ€sentation erstellen und diese anhand der Fußnoten selbsterklĂ€rend ausfĂŒhren (dort alle GedankengĂ€nge, Anekdoten und Schlussfolgerungen rein). FĂŒr eine ErklĂ€rprĂ€sentation (die z.B. „nur“ verschickt wird) gleich eine ausfĂŒhrliche PPT inkl. aller GedankengĂ€nge ohne Fußnoten erstellen.
  9. „Aber bitte maximal 60 Folien“. In so mancher Agentur gilt noch die Faustregel: Eine Minute pro Folie! Ich denke mir: Was soll ich denn eine Minute lang zu dieser Folie erzĂ€hlen? Äh
 Hmm
 *grĂŒbel* Nun ist es so, dass man (also ich) durch den furiosen Einsatz von Animationen eine 60-Minuten-PrĂ€sentation auf nur einer Folie stattfinden lassen könnte (könnte aber schwer werden, daraus ein PDF zu machen). Viel besser sind PrĂ€sentation im Stil einer Animation. Das heißt: Viele Folien, die schnell hintereinander weggeklickt und auf der Tonspur lockerflockig vertont werden. Dann steht am Ende der PrĂ€sentation schon mal eine dreistellige Folienanzahl. Aber tut gar nicht weh, versprochen 🙂
  10. PrĂ€sentationsmodus? Noch nie gehört. Das fĂŒhrt dann oft zur absurden Situation, dass Menschen, die Kommunikationsstrategien entwickeln, ihre PPTs ablesen oder von der nĂ€chsten FolieÂ ĂŒberrascht sind und dann aus dem Konzept geraten („hat da jemand noch schnell bei der Fahrt zum Kunden was an der Foliensortierung geĂ€ndert?“). Zudem sollte man immer einen Charismatiker und geĂŒbten PrĂ€sentator vorschicken, um zu prĂ€sentieren. Das kann, muss aber nicht, ein GeschĂ€ftsfĂŒhrer sein. Und wer wagt es schon, den Chef nach einer geht-so-PrĂ€sentation konstruktiv zu kritisieren?

Und als Bonus: Es empfiehlt sich, die PrĂ€sentation immer auf einem voll aufgeladenen Laptop und auf mindestens einem USB-Stick mitzunehmen. Nur so, zur Sicherheit. Auf dem USB-Stick sollte sonst nichts drauf sein – damit man nicht zu lange suchen muss und man nicht in die Verlegenheit kommt, vor versammelter Mannschaft im Bildschirmmodus zwischen seinen persönlichen und evtl. peinlich benannten Ordnern nach der PrĂ€sentation suchen zu mĂŒssen.

Das Schöne ist: Man lernt nie aus 🙂

Von Judith Peters

ÜBER MICH: Blog like nobody's reading! Das ist meine Philosophie, mit der ich mein Content-Imperium aufbaue. Seit meinem ersten Blogartikel am 1. August 2005 sind ĂŒber 1.200 Blogartikel dazugekommen - und eine glasklare Positionierung, eine starke Reputation und ein erfolgreiches Familien-Online-Business. Bloggen ist fĂŒr mich Hobby, Leidenschaft und persönliche Weiterentwicklung. Und erst danach mein Akquisemotor und Umsatzbringer. Im Laufe meines 20-jĂ€hrigen Blog-Abenteuers habe ich Begriffe geprĂ€gt, wie Content-Ängst und dynamisches Bloggen. Heute bin ich das beste Beispiel dafĂŒr, dass wir mit Persönlichkeit, Mut und Verletzlichkeit einen profitablen Blog aufbauen können, auch ohne den schwarzen GĂŒrtel im Technik-Kungfu zu haben. Von der Festan(gst)stellung zum Leben in kreativer Freiheit: Dein Blog machts's möglich! Mehr ĂŒber mich erfĂ€hrst du hier!