5 Gründe, warum ich als Frau bei männlichen Business-Coaches skeptisch bin

Zum Weltfrauentag will ich einen Gedanken aussprechen, den ich lange nur leise mit mir herumgetragen habe: Warum ich oft ein ungutes Gefühl bei Kursen, Büchern und Coachings von Männern habe. Nicht, weil Männer grundsätzlich nichts Wertvolles zu sagen hätten. Sondern weil ich immer deutlicher sehe, wie stark viele Business-Ratschläge aus einer männlichen Lebensrealität heraus entstehen und wie oft Frauen darin nicht wirklich mitgedacht werden.
Warum ich Onlinekurse von Männern kritisch(er) sehe:
Viele Business-Angebote und Onlinekurse von Männern beruhen auf einer männlichen Default-Perspektive. Während viele Männer von männlichen Privilegien profitieren, müssen sich Frauen mit Themen wie Mental Load und der Angst vor sozialer Sanktionierung beschäftigen. Deshalb kaufe ich bewusster bei Frauen und prüfe Angebote von Männern kritischer.
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Wir alle sehen die Welt aus einer bestimmten Perspektive. Diese Perspektive entsteht durch unsere Erfahrungen, Erziehung und durch gesellschaftliche Erwartungen, die auf uns einwirken. Auch in unserer Selbständigkeit formt unsere Perspektive sehr stark unsere Entscheidungen und wie wir Marketing machen. Und da zeigt sich oft: Männer und Frauen sind da sehr unterschiedlich. Das Problem, das ich sehe: Viele Männer reflektieren zu wenig, dass auch ihre Perspektive begrenzt ist – erheben aber den Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit ihrer Aussagen. Dabei haben viele Männer einen blinden Fleck: Sie erkennen oft an, dass Frauen noch diskriminiert werden, aber sie sehen diese Diskriminierung nicht. Sie fühlen und spüren sie nicht. Deshalb fällt ihnen vieles im Bereich Onlinemarketing, Sichtbarkeit und Selbständigkeit einfacher. So einfach ist es aber für viele Frauen nicht.
Ein Beispiel, wie die weibliche Perspektive unsere Entscheidungen beeinflusst: In meinem Blogartikel Die 10 größten Blog-Mythen: Was stimmt wirklich? schreibe ich im Kapitel „Niemand interessiert sich für das, was ich schreibe“ über die Hexenwunde: Das ist ein Begriff, mit dem manche Frauen ihre tief sitzende Angst vor Sichtbarkeit beschreiben. Ob du mit diesem Begriff etwas anfangen kannst oder nicht: Die Erfahrung dahinter ist real. Viele Frauen spüren eine diffuse, aber sehr konkrete Angst davor, öffentlich sichtbar zu werden, Wissen zu teilen oder sich klar zu positionieren.
Hast du schon einmal von der Hexenwunde gehört? Es ist ein kollektives, über Generationen weitergegebenes Trauma, das viele Frauen (bewusst oder unbewusst) in sich tragen, als Folge der jahrhundertelangen Hexenverfolgung, Unterdrückung weiblicher Macht, Intuition, Sexualität und Weisheit. Und dreimal darfst du raten, was die häufigsten Symptome dieser Hexenwunde bei modernen Frauen sind:
Daher: Kann es vielleicht sein, dass dein Gedanke, dass sich niemand dafür interessiert, was du schreibst, vielleicht die Folge dieser Hexenwunde ist? Ein kulturell unterschwellig mitgegebener oder vielleicht sogar epigenetischer Schutzmechanismus?
Hä, Hexenwunde? Viele Männer kennen dieses Konzept nicht und können deshalb oft wenig damit anfangen. Viele Männer verstehen nicht, was es heißt, als Frau sichtbar zu werden. Sie kennen nicht die Angst, die uns begleitet, wenn wir unsere Meinung öffentlich kundtun. Wenn wir eine Website erstellen und uns fragen, ob wir wirklich unsere echte Adresse in das Impressum schreiben sollen und wir dann dafür eine Extralösung (= Impressumsdienst) mit Extrakosten suchen müssen. Wenn Politikerinnen auf Social Media für Aussagen auseinandergenommen werden, für die ein Mann nicht mal ein Schulterzucken geerntet hätte. Wenn eine Frau Todes- und Vergewaltigungsdrohungen bekommt, weil sie auf Instagram Beinhaare zeigt: Das macht etwas mit mir. Mit vielen Frauen.
Frauen sind deutlich häufiger von sexualisierter Gewalt, Missbrauch und anderen Gewalterfahrungen betroffen. Solche Erfahrungen und die reale Angst vor Abwertung, Übergriffen oder digitaler Hetze können dazu beitragen, dass viele Frauen mehr Angst vor öffentlicher Sichtbarkeit haben – die klassische Content-Ängst! Dass Frauen im öffentlichen Raum für Sichtbarkeit oft härter sanktioniert werden, ist kein individueller Zufall, sondern hat mit patriarchalen Geschlechterrollen und Machtstrukturen zu tun. Onlinekurse rund um die Themen Sichtbarkeit, Schreiben und Reichweite, die das nicht thematisieren, sehe ich deshalb mindestens skeptisch.
Ich habe mich sehr lange gefragt, ob ich auf meinen Landingpages und in meinen Blogartikeln „der Blogger“ oder konsequent „die Bloggerin“ schreiben sollte: SEHR LANGE! Fakt ist: Meine Zielgruppe sind Frauen. Nicht, weil ich das von Anfang an so definiert hätte. Sondern: Weil konsequent fast nur Frauen zu mir gekommen sind, obwohl mein Kurs nicht gegendert ist. Etwa 99 % meiner Kursteilnehmer sind Frauen. Das generische Femininum zu nutzen, erscheint hier also logisch. Aber, hmm… könnten Männer davon abgeschreckt sein, wenn ich das generische Femininum verwende? Macht ein Mann sich darüber Gedanken? Ist ein Mann monatelang von dieser Frage blockiert? Nein! Männer müssen sich darüber einfach keine Gedanken machen: Sie benutzen einfach das generische Maskulinum und Frauen dürfen sich mitgemeint fühlen. Anders herum gilt das nicht. Ein Paradebeispiel für ein männliches Privileg!
Es gibt noch mehr Beispiele für unsichtbare männliche Privilegien, die das Online-Business für Männer wie von Zauberhand einfacher machen: In meinem Blogartikel Wettbewerbsnachteil Frau: Es sind kaum Männer in Onlinekursen von Frauen – und warum das ein riesiges Problem ist schreibe ich über einen interessanten E-Mail-Unfall:
Der Mann, Martin, hat sich gewundert, warum ein Kunde sich ihm gegenüber plötzlich so abweisend und unhöflich benahm. Bis er festgestellt hat: Er hat seine Absender-E-Mail-Adresse mit der seiner Kollegin Nicole vertauscht! Aus dem Versehen haben die beiden dann ein einwöchiges Experiment gemacht. Das Ergebnis: Martin hat festgestellt, wie krass ihn die Leute (Männer wie Frauen) behandeln, weil sie davon ausgingen, er sei eine Frau. Nicole hingegen hatte eine der einfachsten Wochen ihres Berufslebens. Sie hat ihre Erlebnisse hier zusammengefasst.
Männliche Privilegien wirken oft gerade deshalb so unsichtbar, weil sie für die, die von ihnen profitieren, normal sind. Wer sich mühelos als kompetent, glaubwürdig und relevant wahrgenommen fühlt, hält diese Erfahrung schnell für selbstverständlich und verwechselt sie mit reiner Leistung und Kompetenz.
Und damit sind wir beim nächsten männlichen Privileg: Männer werden kompetenter als Frauen wahrgenommen.
Viele Frauen haben es schon lange intuitiv gespürt. Und jetzt gibt es auch Studien dazu, die es offiziell bestätigen: Frauen werden bei gleicher Qualifikation als weniger kompetent eingeschätzt.
Diese Studie ergab, dass Dozentinnen an Hochschulen weitaus schlechter bewertet werden als ihre männlichen Kollegen – und das von Studierenden selbst.
Eine oft zitierte Studie von Moss-Racusin et al. zeigte, dass identische Bewerbungen mit männlichem Namen als kompetenter und einstellbarer bewertet wurden als dieselben Bewerbungen mit weiblichem Namen, und zwar auch von weiblichen Bewertenden.
Und so weiter und so fort. Das große Problem: Dass Frauen als weniger kompetent eingeschätzt werden, ist nicht einfach nur eine persönliche Meinung, die nur in unserem Kopf wirkt. Sondern: Diese falsche Einschätzung wirkt sich auf alles aus, was Frauen machen – auch auf ihren Umsatz. In Wettbewerbsnachteil Frau: Es sind kaum Männer in Onlinekursen von Frauen – und warum das ein riesiges Problem ist schreibe ich darüber, dass auffällig wenige Männer in Kursen von Frauen sind. In Kursen von Männern hingegen ist das Geschlechterverhältnis oft ausgeglichen. Und das ist ein Riesenproblem:
Männer fühlen sich unbewusst oft nicht angesprochen, wenn eine Frau das Aushängeschild von einem Onlinekurs oder -Programm ist – völlig unabhängig von der Kompetenz, die die Frau hat. Sie denken oft: Oh, das ist nichts für mich. Oder sie denken sogar, sie seien nicht erwünscht oder dass der Kurs sogar explizit nur für Frauen sei. (…) Es scheint also, dass Frauen vollkommen unabhängig von ihren Botschaften fast nur Frauen ansprechen. Und ich glaube, das ist das Symptom unserer sexistischen Kultur. (…) Wenn Expertinnen fast nur Frauen anziehen aber Männer sowohl Männer als auch Frauen anziehen, bedeutet das: Männer sind wie Staubsauger und haben eine viel größere Zielgruppe aus der sie schöpfen können. Und zwar ist ihre Zielgruppe ungefähr zwei bis drei mal so groß wie die von Frauen.

Und das bedeutet: Männer machen im Durchschnitt schneller und mehr Umsatz als Frauen – weil sie Männer sind und deshalb einen Kompetenz-Vorschuss genießen. Wenn jetzt aber genau diese Männer Kurse geben, in denen sie Frauen erklären, wie sie ihr Online-Business aufbauen, sitzen sowohl die Männer als auch die Frauen einem blinden Fleck auf: Wenn der gewünschte Erfolg bei den Frauen ausbleibt, denken sich viele Männer: Aber bei mir und vielen anderen hat es doch geklappt! Ich weiß, dass diese Methode funktioniert! Und die Frauen denken sich: Aber bei ihm und vielen anderen hat es doch geklappt! Ich weiß, dass diese Methode funktioniert! Warum bei mir nicht?
Statt das Offensichtliche zu addressieren, also das Geschlecht, lautet die Empfehlung an die Frauen oft: mach mehr davon, mache es besser, mache es intensiver! Dabei haben Frauen ausgerechnet von zwei wichtigen Ressourcen oft weniger als Männer: Zeit und Energie.
Ein Online-Business aufzubauen, ist eine Herausforderung: Es gibt zig Themen, in die man sich hineinarbeiten muss. Zudem muss man Sichtbarkeit aufbauen, Angebote entwickeln, technische Abläufe aufsetzen und Launches planen. Leichter und schneller geht es, wenn man genug Zeit und geistige Bandbreite dafür hat. Die meisten Frauen, die ich kenne, die sich ein Online-Business aufbauen wollen, machen das aus der Mutter-Position heraus. Und die ist, was Zeit und Energie angeht, nicht gerade die Pole-Position.
Frauen bzw. Mütter haben oft viel mehr Mental Load als ihre männlichen Partner. Mental Load ist die psychische Belastung, die durch das Organisieren und Planen von Alltagsaufgaben entsteht, die oft unsichtbar sind und nicht direkt wahrgenommen werden. Das geht von der Planung des Abendessens über das rechtzeitige Kaufen von neuen Winterschuhen bis hin zum Besorgen von Geburtstagsgeschenken. Mit einer Mischung aus männlichen Privilegien und strategischer Inkompetenz wälzen viele Männer den Mental Load und viele Hausarbeiten auf die Frauen in ihrem Umfeld ab. Und so haben Frauen noch weniger Zeit und Energie, um sich z. B. ein Online-Business aufzubauen.
Und: Ein Online-Business aufzubauen, kreiert ja auch Mental Load! Weil Frauen aber oft weniger Einkommen haben, als Männer, können sie diesen neu entstandenen Mental Load nicht so schnell outsourcen, wie es Männer oft machen (z. B. die Steuern, administrative Tätigkeiten oder das Aufsetzen von Werbeanzeigen). Hier entsteht ein Nachteil, der sich schnell zu einem strategischen Rückstand ausweitet.
Unter diesem Aspekt betrachtet, ist klar, warum ich in meinem Blogkurs The Content Society seit 2021 jeden Montag einen ganz konkreten Blogartikel-Vorschlag mache. Und warum ich seit Ende 2024 sogar Textvorlagen für jeden Blogartikel dazugebe: Um den Mental Load zu reduzieren und um Zeit beim Bloggen zu sparen.
Aber: Man muss auch ganz klar sagen, dass Frauen den Mental Load nicht automatisch mitdenken, nur weil sie Frauen sind. Das ist kein Automatismus, wie ein Kommentar unter meinem Instagram-Posting zeigt:

Vor einiger Zeit habe ich auf Instagram einen interessanten Account entdeckt: Ein junger Mann (ich schätze ihn auf 23 Jahre, also halb so alt, wie ich) erzählt dort über seine Reise der persönlichen Weiterentwicklung. Und wie er seine Habits, also Gewohnheiten, trackt und sich so in 75 bzw. 90 Tagen zur besten Version seiner selbst entwickelt. Und ich so: Cool! Ich fange jetzt auch an, meine zig Gewohnheiten zu tracken! Ich habe mir also ein neues Notizbuch geschnappt, den täglichen Tracker reingemalt – und los gehts! Und dann kamen die Schulferien. Ah, ich muss ja was mit den Kindern unternehmen! Und, zack, ist mein Habit-Streak, also die ununterbrochene Erfolgs-Serie, gerissen. Na gut, kann ja mal vorkommen und ist ja auch nicht so schlimm. Aber dann kam ein Wochenende mit Fußballturnier. Und dann hatte ich einfach ein paar Tage, an denen ich null Energie hatte. Das gehört zu meinem Zyklus dazu – und ich habe gelernt, das als Teil meines Ichs anzunehmen. Da war dann nichts mehr mit Habit Tracking. Denn ich bin zyklisches Wesen.
Nach einem Monat habe ich dieses Habit-Tracking-Experiment abgebrochen. Ich habe zig Gewohnheiten, aber ich habe gelernt, sie nicht mehr offiziell zu tracken. Ich mache sie einfach so, jeden Tag, wie sie mir gerade reinpassen. Meistens mache ich morgens meine Dehnübungen. Meistens habe ich über 10.000 Schritte pro Tag. Meistens frühstücke ich. Aber eben nicht immer. Denn: Im Gegensatz zu dem jungen männlichen Insta-Influencer habe ich einen Zyklus. Das führt jeden Monat zu hormonellen Schwankungen, die mein Energieniveau beeinflussen. Ich habe Kinder, ich habe Familie, ich habe Aufs und Abs, die eine „harte“ Konsistenz fast unmöglich machen. Selbst bei meiner neuen Super-Leidenschaft „Spanisch lernen“ setze ich fast jeden Monat ein paar Tage aus, weil ich es einfach nicht hinkriege. Und das ist okay! Aber es passt halt nicht in das Hustle-Denken, das von einem täglich gleichbleibenden Energielevel ausgeht. Ich habe Energiekurven mit teils massiven Ausschlägen. Jedes Auf wiegt bei mir 5 Abs auf. Aber: ich kann nicht täglich dauerhaft das gleiche Level halten. Problematisch wird das bei Kursen, die auf „harte“ Konsistenz setzen, wie z. B. 30-Tage-Challenges, bei denen man jeden Tag ein Reel posten muss.
Auch ich lege Wert in meinen Kursen auf Konsistenz: Ich empfehle, einen Blogartikel pro Woche zu schreiben. Aber: Ich sage immer dazu, dass das eine unverbindliche Blog-Empfehlung ist. Und dass ich selbst nicht jede Woche konsequent blogge. Damit nehme ich bei meiner weiblichen Zielgruppe den Druck raus, immer das gleiche Energie-Level halten zu müssen. In den Lives, die ich jeden Montag in meinem Blogkurs mache, sage ich immer wieder: Es ist okay, wenn du in letzter Zeit nicht gebloggt hast! Hauptsache, du fängst irgendwann wieder damit an! Und dann musst du dich nicht entschuldigen oder erklären! Fang einfach wieder an!
Viele Frauen erleben ihren Alltag nicht als linear und konstant. Zyklus, Schwangerschaft, Fehlgeburten, Geburt, Stillzeit, Perimenopause, Menopause, Care-Arbeit, Familienverantwortung und mentale Dauerbelastung (Mental Load) beeinflussen Energie, Fokus und Belastbarkeit oft stark. Genau deshalb greifen viele Erfolgsmodelle zu kurz, die von täglich gleicher Leistungsfähigkeit ausgehen. Wenn ich also z. B. sehe, dass ein Mann seit Jahren x-mal pro Woche seinen Newsletter verschickt oder konsequent täglich bloggt (wie Seth Godin), nehme ich das anerkennend wahr. Und gleichzeitig lasse ich diese „harte“ Konsistenz als vermeintlichen Erfolgsfaktor los.
Auch für Männer ist die Tatsache, dass ihr Erfolg stark auf Privilegien beruht, eine harte Erkenntnis. Sie sind es gewohnt, dass ihre Erfolge ihrem Wissen, Engagement oder ihrem einzigartigen Genie zugeschrieben werden. Wir alle kennen den Mythos des „Self-Made Man“, der alles aus eigener Kraft geschafft hat! Dass Männer es aber wegen ihres Geschlechts einfacher haben könnten? Das passt nicht in ihr Selfmade-Weltbild. Dieses Privileg zu dekonstruieren, ist harte Arbeit. Jeder Mann, der sich auf diese beschwerliche Reise begibt, hat meinen höchsten Respekt.
Ich glaube nicht, dass die Lösung darin liegt, dass Frauen sich noch besser an männliche Maßstäbe anpassen sollten. Ich glaube auch nicht, dass Männer grundsätzlich keine guten Coaches, Autoren oder Lehrer sein können. Wir müssen aber damit anfangen, Frauen mehr in den Fokus zu rücken! Nicht, weil Männer nicht kompetent wären. Sondern: Weil Frauen AUCH kompetent sind!
Ich glaube, dass viele Männer ihrer Kurse und Coachings auf Voraussetzungen aufbauen, die für Frauen oft nicht gelten. Auf Privilegien. Auf einem automatischen Vertrauens- und Kompetenzvorschuss. Auf einer Selbstverständlichkeit, die frei(er) ist von Content-Ängst, Mental Load und sozialer Sanktionierung.
Genau deshalb möchte ich Frauen mehr in den Fokus rücken. Ich möchte ihre Arbeit und ihr Wissen sichtbarer machen und mein Geld bewusster zu ihnen tragen. Nicht aus blindem Geschlechterbonus (den haben viele Männer schon zu lange bekommen). Sondern weil weibliche Perspektiven im Business viel zu lange unterschätzt und nicht mitgedacht wurden.
Dieses Konzept, Frauen stärker in den Fokus zu rücken, heißt „Decentering men“. Das ist eine Bewegung, bei der sich Frauen mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen – und die Männer aus diesem Mittelpunkt rausrücken. Es geht also darum, Männer, männliche Experten oder die Frage „Wie wirke ich auf Männer?“ nicht mehr ins Zentrum des eigenen Lebens zu stellen. Stattdessen geht es darum, die eigene Zeit, Energie, Identität und Entscheidungen stärker an sich selbst auszurichten. Diese Bewegung richtet sich nicht gegen Männer, sondern gegen die patriarchale Erwartung, dass Frauen die Bedürfnisse der Männer wie eine Selbstverständlichkeit über ihre eigenen stellen sollen. Hier ist ein interessantes Reel dazu. Hier ist ein anderes Reel zum Thema Trauer beim Decentering.
Decentering bedeutet auch: Dass wir uns als Frauen unsere Weiblichkeit und Spiritualität nicht (mehr) von Männern erklären lassen. Von Männern, die auffällig oft sehr fragwürdige Ansichten über Frauen haben. Stichwort: Deepak Chopra, ich empfehle dieses Reel dazu. Dass wir aber auch bei „klassischen Männerthemen“, wie Technik und KI nicht automatisch denken, dass Männer kompetenter sind. Dass wir also mehr Kurse, Bücher und Coachings von Frauen kaufen. Nicht nur, damit wir das Geld verstärkt zu Frauen tragen, sondern auch, weil uns diese Frauen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Perspektiven jenseits des männlichen Default-Modus aufzeigen. Damit tragen wir einen kleinen Beitrag zu einem ausgeglicheneren Geschlechterverhältnis bei. Und nein, das heißt nicht, dass wir keine Kurse mehr von Männern kaufen sollten. Ich selbst bin in einer Membership von einem Mann und ich überlege mir gerade, in eine deutschsprachige Community von einem Mann einzusteigen. Und ich habe schon zig Bücher und Kurse von Männern gekauft. Wenn ich Kurse oder Bücher von Männern kaufe, achte ich darauf, dass sie besondere Männer sind. Ich nenne sie „Männer der neuen Ära“: In sich ruhende Männer, die ihre Männlichkeit nicht durch Abwertung von Frauen beweisen müssen. Respektvolle, reflektierte und verletzliche Männer, die auch über schwierige Themen sprechen, wie z. B. Depressionen. Männer, die es nicht nötig haben, breitbeinig durchs Leben zu gehen und Frauen zu verdrängen, sondern, im Gegenteil, ihnen eine Bühne geben. Männer, die sich vielleicht sogar selbst als Feministen bezeichnen – und so handeln. Das sind die Männer, die ich gerne unterstütze.
Wichtig ist, dass wir uns bei jedem Kurs, bei jedem Buch und bei jedem Coaching, das wir kaufen wollen, fragen: Fühle ich mich hier als Frau wirklich mitgedacht? Bildet dieses Angebot meine Lebensrealität ab? Hilft es mir wirklich oder erklärt es mir nur, warum etwas bei Männern scheinbar mühelos funktioniert?

ÜBER MICH: Blog like nobody’s reading! Das ist meine Philosophie, mit der ich mein Content-Imperium aufbaue. Seit meinem ersten Blogartikel am 1. August 2005 sind über 1.200 Blogartikel dazugekommen – und eine glasklare Positionierung, eine starke Reputation und ein erfolgreiches Familien-Online-Business. Bloggen ist für mich Hobby, Leidenschaft und persönliche Weiterentwicklung. Und erst danach mein Akquisemotor und Umsatzbringer. Im Laufe meines 20-jährigen Blog-Abenteuers habe ich Begriffe geprägt, wie Content-Ängst und dynamisches Bloggen. Heute bin ich das beste Beispiel dafür, dass wir mit Persönlichkeit, Mut und Verletzlichkeit einen profitablen Blog aufbauen können, auch ohne den schwarzen Gürtel im Technik-Kungfu zu haben. Von der Festan(gst)stellung zum Leben in kreativer Freiheit: Dein Blog machts’s möglich!
Mehr über mich erfährst du hier!
7 Comments

Diese männlichen Privilegien werden so oft übersehen, nicht nur von den Männern. Genau deshalb biete ich meine Angebote derzeit nur Frauen an, gerade auch Ruheräume oder Safezones würden nie funktionieren wenn es gemischt wäre.
All die sozialen Anforderungen die eine Frau täglich an sich hat, die sehen Männer gar nicht.
Oder hat schon mal jemand eine Zeitungsartikel über die Schuhe von Friedrich Merz gelesen? Oder das Gewicht von diversen Politikern?
In dem Moment wo wir wirklich lernen ganz genau hinzuschauen und drauf zu achten wird es plötzlich sichtbar wie viele dieser Privilegien Männer haben. Und wenn es nur ist, dass sie überall angesprochen werden und Frauen nur mitgemeint.
Vielen Dank für diesen starken Artikel, liebe Judith!
Ich habe in meiner Nische leider bisher nicht viele Frauen-Coaches finden können und die Männer in der Branche gehen das Ganze sehr zahlengetrieben an, was wiederum meiner Philosophie widerspricht.
Deshalb bin ich immer noch seeehr gern in deinem Universum unterwegs und passe die Inhalte an meine Situation Shop mit Blog an. Klappt bisher meist sehr gut.
Auf meiner Website findet sich von Anfang an viel Rosa und ich nutze das ge(g)nerische 😉Femininum. Trotz allem finden einige Männer zu mir, die Zahlen steigen und das zeigt, es gibt sie, die Menschen, die sich von einer eher weiblichen Sicht und Ausrichtung mitgenommen fühlen. Das feiere ich sehr und freue mich auf jeden Mann, der trotzdem bei mir bestellt.
Die männlichen Privilegien sichtbar zu machen und darauf hinzuweisen scheint mir ein erster Schritt hin zu mehr Bewusstsein dafür. Ich denke, die meisten Männer in meinem persönlichen Umfeld sind sich der Tatsache nicht oder kaum bewusst. Sie würden behaupten, sie denken und handeln im Sinne der Gleichberechtigung. Da bleibt also noch viel Luft nach oben.
Liebe Grüße Irina
Danke Dir. Ich sehe das genauso wie Du. Habe fast noch nie in meiner 11-jährigen „Onlinekarriere“ (zuerst als Bloggerin und später vieles mehr) irgendwas bei einem Mann gebucht. Nicht weil ich etwas gegen Männer habe (Feministinnen bekommen ja ganz schnell dann die „Männerhasser“-Keule entgegengeschlagen). Sondern 1) weil ich mich tendenziell von Frauen eher verstanden und gesehen fühle und 2) weil ich gerne bewusst Frauen durch meine Käufe unterstützen möchte, um etwas an der von Dir benannten Schieflage zu verändern! Danke für diesen wertvollen Post :)
Ein absolut toller Artikel. Danke!
Es spricht aus, was einem unbewusst klar ist. Und es berührt mich selbst sehr, weil diese Angst vor Sichtbarkeit tatsächlich in den letzten 8 Jahren so stark war, dass ich mit all meinem Können und Wissen nicht wirklich rausgegangen bin. Das hat einen ernormen Einfluss auf meine Selbstständigkeit. Das ändere ich jetzt. Mein Motto in diesem Jahr: “ Raus damit!“ Ein persönliches Experiment, einfach – ohne zu zerdenken – mich mit allem zu zeigen. Die beste Entscheidung und es war ein langer Weg der persönlichen Arbeit und Entwicklung. Stück für Stück mehr Freiheit zurückholen als Frau und damit als Mensch mit eben einer speziellen freiheitsbegrenzenden Geschichte. Auf geht’s, centering woman. Liebe Grüße, Lorena
Danke! Mein Eindruck ist auch, dass sich Männer untereinander eher empfehlen und dass Frauen dazu neigen, „gerechter“ an die Sache rangehen zu wollen. Ich sehe es auch so, dass es nicht darum geht, Männern komplett das Wasser abzugraben. Sondern die Schieflage erstmal zu sehen, anzuerkennen und dann entsprechend zu handeln. Und wirklich danach auszusuchen, wer für eine Aufgabe die kompetenteste Person ist.
Wow, ein starker Artikel, liebe Judith! Vielen Dank! Decentering men und Hexenwunde kannte ich beides noch nicht – und schon habe ich bei einer Frau wieder etwas gelernt! 💪 Ich selbst erlebe es beim Business Coaching oft bei weiblichen Kundinnen/Coachees, dass sie, egal ob als frische Führungskraft oder bei beruflicher Orientierung, mir explizit und ungefragt erzählen, dass sie sich bewusst für mich als weibliche Coachin entschieden haben. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass je erfolgreicher Frauen in einem Unternehmen sind, sie dann auch eher zu männlichen Coaches gehen – wahrscheinlich, weil sie von den männlichen Kollegen empfohlen werden, oder? 😉 (Und „Frau“ möchte ja zum Club dazu gehören…“). Im Elterncoaching ist natürlich der Mental Load der Frauen unverändert immer wieder und immer noch ein großes Thema, sowohl als Konflikt-, als auch als Energiethema. Spannend finde ich in letzter Zeit, wahrscheinlich auch aus persönlicher Perspektive, dass Thema Führung & Wechseljahre, bzw. Führen und arbeiten in (mit) Wechseljahren. Ist doch das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Stichwort Kitaplätze) in vielen Unternehmen mittlerweile Gott sei Dank ein Thema – aber kaum sind „die Kinder durch“ kommen die Wechseljahre 😎 – na, dazu könnte und sollte ich dringend einen Blogartikel schreiben! Liebe Judith, vielen Dank für Deinen spannenden Artikel zum #Weltfrauentag! Herzliche Grüße aus Bremen, Sona