Kann man heute seine ganze Website einfach selbst zusammencoden, mit KI, ohne eine Zeile HTML zu verstehen? Diese Frage geistert gerade durch mein Social Media – und durch meinen Kopf. Denn mit meinem eigenen Website-Relaunch-Projekt bin ich gerade mittendrin in diesem Thema. Schon seit etwa 5 Jahren will ich meine WordPress-Website relaunchen, habe mich bisher aber immer erfolgreich darum gedrückt. Das Relaunch-Projekt erscheint mir so technisch, so komplex, so groß. Und dann sehe ich dieses Facebook-Posting von Technik-Experte und Online-Unternehmer Frank Katzer:

Franks Punkt: Man kann Websites mittlerweile komplett mit Claude Code bauen und pflegen, schneller und sicherer als mit WordPress – und da will man dann gar nicht mehr zurück.

Ich finde diese Vorstellung befreiend: dass wir heute quasi alles selbst technisch umsetzen können, sogar ganze Webseiten – auch wenn wir keine Technik-Experten sind. Aber, wenn ich in mich hineinspüre, spüre ich einen Widerstand. Denn ich kenne mich und meine Zielgruppe. Und ich weiß, wo wir im Prozess vielleicht steckenbleiben könnten.

Der häufigste Grund fürs Selbst-Coden: „Meine WordPress-Website gefällt mir nicht“. Dieser Grund löst sich schnell in Luft auf

Die meisten Menschen wollen ihre Website aus einem einzigen Grund selbst vibe-coden: Nein, es ist nicht die Technik oder die Ladegeschwindigkeit. Sondern:

„WordPress gefällt mir nicht.“

Das höre ich sehr oft, auch in meinen Kursen. Klar, kann man sich da schnell denken: „Es sieht nicht aus, wie ich es will, also code ich mir lieber was Eigenes.“

Aber: Vielleicht können wir das Design-Problem viel einfacher lösen.

Ich setze meinen eigenen Website-Relaunch mit dem Theme „Twenty Twenty-One“ um. Das ist ein super-basic Standard-Theme von WordPress, das ich auch in meinem Blogkurs empfehle. Denn ich bin überzeugt: Wenn du EIN Theme richtig verstehst und damit umgehen kannst, dann kannst du damit eigentlich alles machen. Dann kannst du es so anpassen, dass es dir gefällt.

Und dann habe ich mich mit Claude hingesetzt und aus diesem Theme ein Design gebaut, das mir richtig gut gefällt. Es sieht überhaupt nicht nach einem Standard-Theme aus. Ich saß davor und dachte: Wow, krass – DAS ist Twenty-Twenty-One? Hier ein Screenshot vom Entwurf meiner Startseite:

Klar, es ist noch nicht perfekt: Dass ganz oben der Text direkt über mein Gesicht läuft, ist suboptimal. Aber insgesamt finde ich diesen Entwurf schon ziemlich gut.

Mit WordPress plus Claude kriege ich das schöne Design UND behalte das grundsolide WordPress-Fundament. Ich muss nicht das eine gegen das andere tauschen. Ich kann Claude als Werkzeug benutzen – und trotzdem auf einem System aufbauen, das Millionen Menschen kennen und lieben.

Garbage in, Garbage out: Das gilt auch fürs Webseiten-Design

Es gibt diesen schönen Satz aus der Programmierer-Welt: Garbage in, Garbage out. Wenn Müll reinkommt, kommt auch Müll raus. Und das gilt für KI-Design ganz besonders.

Viele glauben, die KI macht gutes Design für sie. Zu einem gewissen Grad: ja, vielleicht. Aber das sieht schnell nach KI-Einheitsbrei aus. Fakt ist: Du musst für deine vibe-gecodete Website nicht nur gut prompten können – du musst überhaupt erstmal ein gutes Auge für Design haben. Du musst erkennen, was schön ist und was nicht. Du musst wissen, wie man Texte gut strukturiert, welche Größe eine Headline braucht, wie man eine Startseite so aufbaut, dass man sie gerne liest.

Das braucht Erfahrung.

Und genau hier sind die WordPress-Vorlagen (die sogenannten „Themes“) Gold wert – auch wenn sie manchmal etwas frickelig sind.

Der „ist doch ganz easy“-Mythos bei Webseiten – und die Realität dahinter

Auf Instagram und Facebook klingt das alles so: „Du schreibst einfach einen Prompt und zack, hast du zig Social-Media-Postings – oder eben deine schicke Website!“ Ein Prompt, ein Klick, fertig.

In der Realität ist es dann doch meistens ein bisschen umständlicher.

Man braucht nämlich meistens doch ein gewisses technisches Know-how. Sonst bleibt man stecken. Es gibt diese kleinen, fiesen Probleme: Irgendwas sitzt nicht ganz da, wo du es haben willst. Ein Abstand stimmt nicht. Ein Element springt. Deine Newsletter-Anbindung funktioniert nicht. Und du promptest und promptest, aber Claude setzt es nicht gut genug um – und du drehst dich fünf Mal im Kreis und irgendwann drehst du komplett durch.

Ich sage nicht, dass das unlösbare Probleme sind. Aber für sehr viele Menschen ist das alles leichter gesagt als getan. Und das Design, das am Ende rauskommt, ist oft eben doch nicht ganz so, wie du es dir im Kopf ausgemalt hast. Du kannst prompten „so wie diese Website hier“ und einen Link einfügen – und es wird trotzdem ein Kompromiss bleiben.

Meine 20 Jahre Blog-Erfahrung sagen mir sehr deutlich: So easy, wie es oft verkauft wird, ist es nicht.

Aber: ich bin neugierig und offen dafür, vom Gegenteil überzeugt zu werden :-)

Die digitale Teufelsküche (und warum ein Blog kein Landingpage-Spaziergang ist)

Eine statische Seite – also z. B. eine einzelne Landingpage oder eine Startseite – die ist harmlos. Die kannst du vibe-coden, das macht sogar richtig Spaß. Aber sobald deine Website mehr sein soll als eine hübsche Visitenkarte, wird es komplex. Besonders komplex ist ein Blog.

Denn ein Blog braucht so unfassbar viel mehr, als man von außen sieht:

  • Klar, eine Blog-Funktion! Also eine Art von Textverarbeitung mit den typischen Blog-Funktionen: Links und Bilder einfügen, Texte fetten, Listen, Bulletpoints, Textfarbe usw.
  • Eine Kommentarverwaltung, damit Menschen mit dir in den Austausch gehen können
  • Eine Kategorien-Verwaltung, damit du deine Blogartikel sauber strukturieren kannst
  • Eine Permalink-Struktur, damit Links dauerhaft funktionieren
  • Eine Mediathek für all deine Bilder
  • Ein Menü, das mitwächst
  • Eine Suche

Das alles ist sehr komplex. Und genau da bleiben Einsteiger hängen. Frank sagt ja selbst, dass der Blog-Bereich der schwierige Teil ist.

Ich glaube, es ist deutlich leichter, einen WordPress-Blog per Plugin mit einer neuen Funktion auszustatten, als das alles selbst zu bauen. Aber gut, bei den Themen DSGVO und Cookie-Plugin reden wir nochmal :-D 

Wenn du dir ein Projekt vornimmst, das noch zu groß für deinen aktuellen Erfahrungsstand ist, dann kann Folgendes passieren: Es wächst dir über den Kopf. Es wird komplexer und komplexer. Du verlierst die Geduld. Und irgendwann schmeißt du dieses halbfertige Ding in die Ecke und sagst: „Ach, das ist alles Mist und bringt eh nichts.“

Und dann gibst du dir die Schuld. Dabei war es nie dein Unvermögen, sondern nur ein zu großes Projekt für den Punkt, an dem du gerade stehst.

Wenn die Technik streikt, kennt niemand DEIN Blog-Tool

Wenn du deine Website mit einem Profi an deiner Seite, wie Frank, vibe-codest und wenn du laufenden Support hast (wie in seiner Technik-Community), dann: Go for it! Dann wird das super! Dann hast du immer seinen Support, wenn du mal steckenbleiben solltest.

Aber wenn du als Blog-Einsteiger deine Website auf eigene Faust vibe-codest, sehe ich das kritisch.

Wenn du bei WordPress ein Problem hast, gibt es zig Menschen auf diesem Planeten, die sich damit auskennen. Foren, Gruppen, Freundinnen, Dienstleister. Du bist nie allein.

Aber dein selbstgebautes, einzigartiges Tool? Das kennt niemand, außer dir. Klar, theoretisch kannst du das Problem wieder raus-vibe-coden. Aber wir wissen ja jetzt: leichter gesagt als getan. Wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst, weil deine Seite down ist und der nächste Launch vor der Tür, dann willst du nicht allein mit einer KI im Kreis tanzen. Dann willst du jemanden, der sagt: „Ah, das kenne ich, klick mal hier.“

Nein, andere für dich vibe-coden zu lassen, ist auch keine Lösung!

Ok, dann denkst du dir vielleicht: Kein Problem, ich umgehe die technischen Probleme mit Blog & Co., indem ich mir meine Website von einem Programmierer vibe-coden lasse.

Aber das Problem mit diesem Ansatz ist: dann bekommst du eine Seite übergeben, die du vielleicht nicht bedienen kannst. Ich sehe das zigfach in meinem Blogkurs: Die Teilnehmerinnen haben sich schicke Webseiten erstellen lassen – und vielleicht haben sie sogar eine technische Einführung bekommen. Aber vier Wochen später, wenn sie ihren ersten Blogartikel schreiben wollen, haben sie vergessen, wo sie klicken müssen.

Da ist es von Vorteil, wenn jemand dein Blog-Tool kennt und dir erklären kann, wie du damit einen Blogartikel schreibst oder deine Startseite anpasst. Also genau das, was ich in meinem Blogkurs The Content Society mache. Bei vibe-gecodeten Webseiten müsste ich erst mal reinschauen und mich in jedes Tool neu einarbeiten, bevor ich sagen kann, wo du klicken muss. Bei WordPress kenne ich mich im Schlaf aus.

Wenn du eine Website vibe-codest, bist du komplett dafür selbst verantwortlich und beim Troubleshooting bist auf (wahrscheinlich) auf dich alleine gestellt. Das empfiehlt sich nur für Fortgeschrittene.

Meine Faustregel: baue erst das Fundament mit WordPress, starte dann in den Vibe-Coding-Abenteuer

Wo ziehe ich die Vibe-Coding-Grenze? Woran erkennst du, was du getrost selbst coden kannst und was (noch) nicht?

Meine Faustregel ist keine Tool-Frage. Es geht nicht um „WordPress ist gut, Vibe-Coden ist böse“. Es geht um DEINE Erfahrung.

Wenn du noch am Anfang stehst: WordPress. Wenn du noch keine eigene Website, noch keine Blog-Erfahrung hast und noch nie einen Blogartikel veröffentlicht hast, dann bau dein Fundament auf etwas Bewährtem: WordPress. Denn wenn du so am Anfang stehst, kannst du noch gar nicht wissen, welche Anforderungen du eigentlich an deine Website hast. WordPress bringt alle Standard-Funktionen einer Website mit – und was dir fehlt, kannst du per Plugin ergänzen.

Meine Schwelle fürs Vibe-Coden: etwa 20 Blogartikel. Wenn du 20 Blogartikel geschrieben hast, dann hast du ein Gefühl dafür, was du brauchst. Du weißt, wie deine Kategorien aussehen sollen, was dich am aktuellen System nervt, was dir wichtig ist. Du hast im Kopf, welche Anforderungen ein System erfüllen muss und was es leisten kann. Du hast Erfahrung. Und ab da kannst du dich mit gutem Gewissen ins Vibe-Coding-Abenteuer stürzen.

Wo Claude beim Website-Thema wirklich glänzt

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich LIEBE Claude! Ich arbeite sehr viel damit, ich lasse mir viele Texte von Claude strukturieren, ich erstelle Logos, Designs, Konzepte und Landingpages mit Claude.

Für Landingpages ist Claude fantastisch. Die Komplexität ist niedrig, das Ergebnis oft großartig, und du kannst dich kreativ austoben. Da sage ich uneingeschränkt: Ja, mach das!

Und Claude MIT WordPress ist für mich der Sweet Spot. Genau das, was ich gerade selbst mache: ein Design auf einem stabilen Fundament aufhübschen, den Relaunch beschleunigen, das Basic-Theme zum Strahlen bringen. Das Beste aus beiden Welten – die Kreativität und Geschwindigkeit der KI plus die Verlässlichkeit eines Systems, das die halbe Welt kennt.

Relaunch-Ängst: Ein ehrliches Geständnis zum Schluss

Mein eigener Relaunch steht noch aus. Denn: meine Seite ist uralt, die Datenbank quillt über, ich habe eine veraltete PHP-Version. Das klassische gewachsene Chaos aus über 20 Jahren Bloggen. Da muss ich erst mal aufräumen. Und ich habe ganz banal Relaunch-Ängst, dass ich beim Umbau irgendwas kaputt mache. Ja: Auch bei WordPress kann mal was schiefgehen. Kein noch so bewährtes System ist immun gegen Fuckups. Und genau deshalb rede ich hier nicht von oben herab, sondern von mitten drin, mit zittriger Hand am Relaunch-Knopf 😬

Ich glaube fest daran, dass wir in der KI-Ära so gut wie ALLES vibe-coden können. Die Frage ist nicht mehr, ob es geht. Die Frage ist, ob es zu DIR und deinem Erfahrungsstand passt. Und ob es sinnvoll ist.

Bau dein Fundament auf festem Boden. Veröffentliche 20 Blogartikel. Und dann, wenn du weißt, was du willst: Stürz dich ins Vibe-Coding-Abenteuer!

Und ganz egal, ob deine Website dann mit WordPress läuft oder selbst gecodet ist, denk dran: Blog like nobody’s reading!


Dieser Blogartikel ist in meinem KI-Kurs “Summer Blogging School – KI-Edition” entstanden. Teile hier gerne deinen EEAT-ifizierten Blogartikel, den du in der Summer Blogging School 2026 geschrieben hast: