Finde deinen größten Schmerzpunkt und gib ihn der KI: So geht weniger Mental Load für ADHS-Gehirne in der KI-Ära


ADHS und KI sind ein Dreamteam. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Denn: Fünf Jahre. So lange habe ich eine einzige Aufgabe vor mir hergeschoben: Ich hatte hunderte Blogartikel in einer Kategorie namens „Wort des Tages“. Das waren meine gesammelten Wortspiele seit 2006, einige dieser Blogartikel waren nur 5 Wörter lang. Google hat die alle aus dem Index genommen, weil sie zu kurz und damit irrelevant waren. Das Problem: Jeder Blogartikel, der wegen Irrelevanz de-indexiert wird, kann die ganze Website im Ranking ein bisschen runterziehen. Stichworte: Thin Content, Content Bloat, Crawl Budget Verschwendung. Ich wusste eigentlich ganz genau, was zu tun war: diese hunderte Mini-Artikel zu einem einzigen zusammenfassen, ganz viel Copy&Paste, die einzelnen Blogartikel depublizieren und überall eine Weiterleitungen zu dem neuen Blogartikel einrichten, fertig.
Und trotzdem passierte fünf Jahre lang nichts, weil ich es immer wieder auf die nächste Woche verschoben habe. Der klassische Irgendwahn.
Im März 2026 hatte ich dann eine Idee: Warum gebe ich diese Aufgabe nicht einfach Claude? Gesagt, getan. Mein Prompt in der Kurzfassung: „Fasse alle Blogartikel der Kategorie ‚Wort des Tages‘ zu einem Artikel zusammen, depubliziere die einzelnen Blogartikel und lege von jedem Blogartikel eine Weiterleitung auf den neuen Blogartikel an.“ Dreißig bis vierzig Minuten später war das Ganze erledigt, hier ist meine epische Wort-des-Tages-Sammlung. Fünf Jahre Aufschieberei wurden von der KI in vierzig Minuten beendet.
Das war mein absoluter Wow-Moment. Ich habe erkannt: Für Menschen mit ADHS ist KI nicht einfach nur ein nettes Extra. Die KI ist ein Befreiungsschlag.
Denn: Die KI kann uns vom Mental Load der zig unfertigen Aufgaben befreien!
Das ist ein Punkt, den viele übersehen, wenn sie über KI und ADHS reden.
Meine Blockade bei den „Wort des Tages“-Blogartikeln war, dass die Aufgabe sich riesig und überwältigend angefühlt hat. Es war ein technisches und mühsames Ungetüm mit sehr viel Klick-hier-klick-da. Diese Aufgabe war mir so unangenehm, dass ich sie schlicht nicht angefasst habe. Und weil ich wusste, dass das kein angenehmer Job ist, habe ich ihn in prä-agentischen Zeiten auch nicht meinem Team gegeben.
Das Problem mit solchen unfertigen Aufgaben ist: sie beanspruchen monatelang Bandbreite in meinem Gehirn. Sie saugen mir jeden einzelnen Tag einen Teil meiner Energie ab. Die unfertigen Aufgaben türmen sich in meinem Kopf als To-Do-Berg auf, bis ich irgendwann total blockiert bin, ganz nach dem Motto: Ich werde es nie schaffen, all diese Dinge zu erledigen.
Wenn die KI mir aber so eine unangenehme Aufgabe abnimmt, ist das, als würde ich sie endlich aus meinem Kopf streichen können: Haken dran, erledigt – eine riesige Erleichterung.
Und genau hier liegt der Vorteil, den wir ADHS-Leute in der KI-Ära haben: Wir sind von stupiden, repetitiven Tätigkeiten viel schneller und viel heftiger genervt als neurotypische Menschen. Was für andere nur lästig ist, raubt uns regelrecht den letzten Nerv und lähmt uns. Das heißt aber auch, dass die Befreiung bei uns umso größer ist, wenn wir genau diese Tätigkeiten endlich abgeben dürfen.
Mit klassischen Produktivitäts-Hacks kann man mich jagen. Der schlimmste aller Hacks ist für mich die Pomodoro-Methode: 25 Minuten konzentriertes Arbeiten, 5 Minuten Pause und dann wieder von vorne. Ich habe es versucht – es klappt bei mir nicht und raubt mir jede Energie.
Bei mir hilft nur eins, und das ist Deep Work: kompletter Hyperfokus und stundenlang in ein Thema eintauchen. Nichts und niemand darf mich dabei stören, sonst zieht er sich meinen ewigen Groll zu (ok, das ist nur ein bisschen übertrieben 😄).
Und genau deshalb ist KI für mich so wertvoll: Sie nimmt mir Tätigkeiten ab, die meinen Hyperfokus zerschießen würden. Sie hält mir den Rücken frei um in Ruhe zu kreieren.
Hier kommt der praktische Teil, wie du mit KI deinen mental Load dauerhaft abgeben kannst. Mir geht es ausdrücklich nicht um einmalige KI-Stunts, die du einmal abziehst und die zwar spektakulär sind, dir aber in deinem Alltag auf Dauer nichts bringen. Es geht mir darum, KI als dauerhaften Assistenten einzusetzen, der dir die unangenehmen Dinge abnimmt.
Es geht darum, die nervigsten Dinge in deinem Business und deinem Leben zu finden und dafür eine KI-Lösung zu bauen, eine nach der anderen, wie eine Strichliste, die du in Ruhe abarbeitest.
1. Finde deine schlimmsten Schmerzpunkte. Was nervt dich seit Monaten oder sogar Jahren, was schiebst du ewig vor dir her? Bei mir waren bzw. sind das:
2. Fang beim größten Schmerzpunkt an. Denn dieses Problem frisst am meisten geistige Bandbreite. Bei mir war das der Blog: eine so stupide Tätigkeit, dass ich sie nie angehen wollte. Und gleichzeitig so wichtig, dass ich viel zu oft daran gedacht habe.
3. Experimentiere mit der KI und recherchiere, bis du eine Lösung hast. Um nochmal auf die Sache mit den 800+ Blogartikeln zurückzukommen: Ich wusste im März 2026 noch nicht, dass Claude solch eine Aufgabe bewältigen kann. Also habe ich einfach Claude gefragt: Kannst du das? Stellt sich heraus: Ja, kann er 😄 Anderes Beispiel: Mein Newsletter. Weil ich diesen Schmerzpunkt unbedingt lösen wollte, war ich also sehr motiviert, eine Lösung zu finden. Und so habe ich, ohne so ganz genau zu wissen, was ich da mache, meinen ersten Skill geschrieben, der meinen Newsletter-Prozess beschreibt. Mit diesem Skill schreibe ich meinen Newsletter jetzt in nur ca. 40 Minuten. Vorher habe ich meistens über 3 Stunden dafür gebraucht.
Mit diesem Herumexperimentieren habe ich mein komplettes KI-Wissen aufgebaut. Ich habe also weder KI-Kurse gekauft, noch habe ich mir zig YouTube-Tutorials angeschaut, in denen ich mich mit meinem Scanner-Gehirn natürlich auch hervorragend stundenlang verlieren könnte 😄. Ich habe mich einfach tagelang in KI-Chats vergraben, immer mit einem konkreten Problem im Kopf, das ich unbedingt lösen wollte: Wie mache ich das mit meinem Blog? Wie baue ich einen Newsletter-Skill? Wie bekomme ich diese eine nervige Sache in meinem Leben endlich vom Tisch? Learning by Doing, ADHS-Edition.
Und jetzt kommt der Teil, der mir in vielen „KI ist so toll für ADHS“-Texten fehlt: KI kann ein Segen sein, aber gerade wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu viel abgeben. Wir dürfen uns nicht abhängig machen.
Ich glaube, dass ADHS-Leute besonders dazu neigen, der KI zu viele Aufgaben zu übertragen. Sei es aus Unsicherheit („ist dieser Text wirklich gut?“) oder aus Begeisterung, weil jetzt so vieles möglich ist und weil man das ausreizen möchte. Oder einfach, weil es so angenehm ist, der KI immer noch eine Aufgabe mehr aufzubürden. Und plötzlich lässt du dir jede Entscheidung absegnen und jede Idee gegenchecken.
Darum geht es mir ausdrücklich nicht. Der kreative Funke muss bei uns bleiben, sonst fühlen wir uns nicht mehr authentisch. Das ist gerade bei Menschen mit ADHS/Autismus und ihrem Gerechtigkeitsempfinden ein großes Thema.
Deshalb habe ich für mich eine klare Linie gezogen: Ich gebe meist repetitive bzw. nervige Tätigkeiten an die KI ab. Sowas wie:
Genau die Tätigkeiten, von denen ein ADHS-Gehirn so schnell gelangweilt ist, dass es einfach keine Energie mehr hat.
Aber gut, ich gebe zu, ich habe auch schon Aprilscherz-Ideen mit der KI gebrainstormt 😄 Und ich mache regelmäßig ein kreatives Konzept-Pingpong, um Ideen zu schärfen. Was ich aber mit der KI niemals mache: Meine Blogartikel schreiben lassen (höchstens einen ersten Entwurf, den ich bis zur Unkenntlichkeit überarbeite).
ADHS-Menschen haben oft eine sehr schwankende Energie: mal sprudeln die Ideen und der Umsetzungs-Rausch kennt kein Ende. Und am nächsten Tag ist der Tank einfach leer, weil uns zu viele nervige Dinge den letzten Nerv geraubt haben. Repetitive Tätigkeiten, das tägliche Klein-Klein oder das detailgenaue Umsetzen ist für jemanden mit ADHS oft fatal.
Wir müssen unsere Energie sehr gezielt einsetzen.
Wenn wir genau diese nervigen Tätigkeiten auslagern, bleibt mehr geistige Bandbreite und mehr Energie für die kreativen Dinge übrig. Mir geht es also gar nicht so sehr darum, mit der KI Zeit zu sparen. Sondern: Ich will Energie sparen.
Es heißt ja immer, dass Zeit die wertvollste Ressource sei. Das stimmt natürlich, denn es gibt nun mal nur 24 Stunden am Tag. Aber dabei vergessen wir etwas Entscheidendes: Energie ist mindestens genauso wertvoll.
Die Themen KI und ADHS beschäftigen dich gerade auch sehr? Komm in meinen „Newsbetter„, da teile ich jede Woche, was ich gerade ausprobiere, durchdenke und dazulerne. Aktuell dreht sich mein Newsletter oft um die Frage: Wie bleiben wir souverän kreativ in der KI-Ära?

ÜBER MICH: Blog like nobody’s reading! Das ist meine Philosophie, mit der ich mein Content-Imperium aufbaue. Seit meinem ersten Blogartikel am 1. August 2005 sind über 1.200 Blogartikel dazugekommen – und eine glasklare Positionierung, eine starke Reputation und ein erfolgreiches Familien-Online-Business. Bloggen ist für mich Hobby, Leidenschaft und persönliche Weiterentwicklung. Und erst danach mein Akquisemotor und Umsatzbringer. Im Laufe meines 20-jährigen Blog-Abenteuers habe ich Begriffe geprägt, wie Content-Ängst und dynamisches Bloggen. Heute bin ich das beste Beispiel dafür, dass wir mit Persönlichkeit, Mut und Verletzlichkeit einen profitablen Blog aufbauen können, auch ohne den schwarzen Gürtel im Technik-Kungfu zu haben. Von der Festan(gst)stellung zum Leben in kreativer Freiheit: Dein Blog machts’s möglich!
Mehr über mich erfährst du hier!
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