Zum Weltfrauentag will ich einen Gedanken aussprechen, den ich lange nur leise mit mir herumgetragen habe: Warum ich oft ein ungutes Gefühl bei Kursen, Büchern und Coachings von Männern habe. Nicht, weil Männer grundsätzlich nichts Wertvolles zu sagen hätten. Sondern weil ich immer deutlicher sehe, wie stark viele Business-Ratschläge aus einer männlichen Lebensrealität heraus entstehen und wie oft Frauen darin nicht wirklich mitgedacht werden.

Warum ich Onlinekurse von Männern kritisch(er) sehe:

Viele Business-Angebote und Onlinekurse von Männern beruhen auf einer männlichen Default-Perspektive. Während viele Männer von männlichen Privilegien profitieren, müssen sich Frauen mit Themen wie Mental Load und der Angst vor sozialer Sanktionierung beschäftigen. Deshalb kaufe ich bewusster bei Frauen und prüfe Angebote von Männern kritischer.

1. Männern fehlt die weibliche Perspektive

Wir alle sehen die Welt aus einer bestimmten Perspektive. Diese Perspektive entsteht durch unsere Erfahrungen, Erziehung und durch gesellschaftliche Erwartungen, die auf uns einwirken. Auch in unserer Selbständigkeit formt unsere Perspektive sehr stark unsere Entscheidungen und wie wir Marketing machen. Und da zeigt sich oft: Männer und Frauen sind da sehr unterschiedlich. Das Problem, das ich sehe: Viele Männer reflektieren zu wenig, dass auch ihre Perspektive begrenzt ist – erheben aber den Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit ihrer Aussagen. Dabei haben viele Männer einen blinden Fleck: Sie erkennen oft an, dass Frauen noch diskriminiert werden, aber sie sehen diese Diskriminierung nicht. Sie fühlen und spüren sie nicht. Deshalb fällt ihnen vieles im Bereich Onlinemarketing, Sichtbarkeit und Selbständigkeit einfacher. So einfach ist es aber für viele Frauen nicht.

Ein Beispiel, wie die weibliche Perspektive unsere Entscheidungen beeinflusst: In meinem Blogartikel Die 10 größten Blog-Mythen: Was stimmt wirklich? schreibe ich im Kapitel „Niemand interessiert sich für das, was ich schreibe“ über die Hexenwunde: Das ist ein Begriff, mit dem manche Frauen ihre tief sitzende Angst vor Sichtbarkeit beschreiben. Ob du mit diesem Begriff etwas anfangen kannst oder nicht: Die Erfahrung dahinter ist real. Viele Frauen spüren eine diffuse, aber sehr konkrete Angst davor, öffentlich sichtbar zu werden, Wissen zu teilen oder sich klar zu positionieren.

Hä, Hexenwunde? Viele Männer kennen dieses Konzept nicht und können deshalb oft wenig damit anfangen. Viele Männer verstehen nicht, was es heißt, als Frau sichtbar zu werden. Sie kennen nicht die Angst, die uns begleitet, wenn wir unsere Meinung öffentlich kundtun. Wenn wir eine Website erstellen und uns fragen, ob wir wirklich unsere echte Adresse in das Impressum schreiben sollen und wir dann dafür eine Extralösung mit Extrakosten suchen müssen. Wenn Politikerinnen auf Social Media für Aussagen auseinandergenommen werden, für die ein Mann nicht mal ein Schulterzucken geerntet hätte. Wenn eine Frau Todes- und Vergewaltigungsdrohungen bekommt, weil sie auf Instagram Beinhaare zeigt: Das macht etwas mit uns Frauen.

Frauen sind deutlich häufiger von sexualisierter Gewalt, Missbrauch und anderen Gewalterfahrungen betroffen. Solche Erfahrungen und die reale Angst vor Abwertung, Übergriffen oder digitaler Hetze können dazu beitragen, dass viele Frauen mehr Angst vor öffentlicher Sichtbarkeit haben – die klassische Content-Ängst! Dass Frauen im öffentlichen Raum für Sichtbarkeit oft härter sanktioniert werden, ist kein individueller Zufall, sondern hat mit patriarchalen Geschlechterrollen und Machtstrukturen zu tun. Onlinekurse rund um die Themen Sichtbarkeit, Schreiben und Reichweite, die das nicht thematisieren, sehe ich deshalb mindestens skeptisch.

2. Männer haben unsichtbare Privilegien, von denen sie im Onlinebusiness massiv profitieren

Ich habe mich sehr lange gefragt, ob ich auf meinen Landingpages und in meinen Blogartikeln „der Blogger“ oder konsequent „die Bloggerin“ schreiben sollte: SEHR LANGE! Fakt ist: Meine Zielgruppe sind Frauen. Nicht, weil ich das von Anfang an so definiert hätte. Sondern: Weil konsequent fast nur Frauen zu mir gekommen sind, obwohl mein Kurs nicht gegendert ist. Etwa 99 % meiner Kursteilnehmer sind Frauen. Das generische Femininum zu nutzen, erscheint hier also logisch. Aber, hmm… könnten Männer davon abgeschreckt sein, wenn ich das generische Femininum verwende? Macht ein Mann sich darüber Gedanken? Ist ein Mann monatelang von dieser Frage blockiert? Nein! Männer müssen sich darüber einfach keine Gedanken machen: Sie benutzen einfach das generische Maskulinum und Frauen dürfen sich mitgemeint fühlen. Anders herum gilt das nicht. Ein Paradebeispiel für ein männliches Privileg!

Es gibt noch mehr Beispiele für unsichtbare männliche Privilegien, die das Online-Business für Männer wie von Zauberhand einfacher machen: In meinem Blogartikel Wettbewerbsnachteil Frau: Es sind kaum Männer in Onlinekursen von Frauen – und warum das ein riesiges Problem ist schreibe ich über einen interessanten E-Mail-Unfall:

Der Mann, Martin, hat sich dann gewundert, warum ein Kunde sich ihm gegenüber plötzlich so abweisend und unhöflich benahm. Bis er festgestellt hat: Er hat seine Absender-E-Mail-Adresse mit der seiner Kollegin Nicole vertauscht! Aus dem Versehen haben die beiden dann ein einwöchiges Experiment gemacht. Das Ergebnis: Martin hat festgestellt, wie krass ihn die Leute (Männer wie Frauen) behandeln, weil sie davon ausgingen, er sei eine Frau. Nicole hingegen hatte eine der einfachsten Wochen ihres Berufslebens. Sie hat ihre Erlebnisse hier zusammengefasst.

Männliche Privilegien wirken oft gerade deshalb so unsichtbar, weil sie für die, die von ihnen profitieren, normal sind. Wer sich mühelos als kompetent, glaubwürdig und relevant wahrgenommen fühlt, hält diese Erfahrung schnell für selbstverständlich und verwechselt sie mit reiner Leistung und Kompetenz.

Und damit sind wir beim nächsten männlichen Privileg: Männer werden kompetenter als Frauen wahrgenommen.

3. Männer werden als kompetenter angesehen. Deshalb haben sie oft mehr Kunden und Umsatz

Viele Frauen haben es schon lange intuitiv gespürt. Und jetzt gibt es auch Studien dazu, die es offiziell bestätigen: Frauen werden bei gleicher Qualifikation als weniger kompetent eingeschätzt.

Diese Studie ergab, dass Dozentinnen an Hochschulen weitaus schlechter bewertet werden als ihre männlichen Kollegen – und das von Studierenden selbst.

Eine oft zitierte Studie von Moss-Racusin et al. zeigte, dass identische Bewerbungen mit männlichem Namen als kompetenter und einstellbarer bewertet wurden als dieselben Bewerbungen mit weiblichem Namen, und zwar auch von weiblichen Bewertenden.

Und so weiter und so fort. Das große Problem: Dass Frauen als weniger kompetent eingeschätzt werden, ist nicht einfach nur eine persönliche Meinung, die nur in unserem Kopf wirkt. Sondern: Diese falsche Einschätzung wirkt sich auf alles aus, was Frauen machen – auch auf ihren Umsatz. In Wettbewerbsnachteil Frau: Es sind kaum Männer in Onlinekursen von Frauen – und warum das ein riesiges Problem ist schreibe ich darüber, dass auffällig wenige Männer in Kursen von Frauen sind. In Kursen von Männern hingegen ist das Geschlechterverhältnis oft ausgeglichen. Und das ist ein Riesenproblem:

Männer fühlen sich unbewusst oft nicht angesprochen, wenn eine Frau das Aushängeschild von einem Onlinekurs oder -Programm ist – völlig unabhängig von der Kompetenz, die die Frau hat. Sie denken oft: Oh, das ist nichts für mich. Oder sie denken sogar, sie seien nicht erwünscht oder dass der Kurs sogar explizit nur für Frauen sei. (…) Es scheint also, dass Frauen vollkommen unabhängig von ihren Botschaften fast nur Frauen ansprechen. Und ich glaube, das ist das Symptom unserer sexistischen Kultur. (…) Wenn Expertinnen fast nur Frauen anziehen aber Männer sowohl Männer als auch Frauen anziehen, bedeutet das: Männer sind wie Staubsauger und haben eine viel größere Zielgruppe aus der sie schöpfen können. Und zwar ist ihre Zielgruppe ungefähr zwei bis drei mal so groß wie die von Frauen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 20200616_064114885_iOS-400x300.jpg
Wenn eine Gruppe an Männern (blau) zu fast 100 % nur Kurse von Männern kauft und eine gleich große Gruppe Frauen (orange) zur Hälfte sowohl zu Männern als auch zu Frauen in Kurse geht, führt das dazu, dass Männer mit ihren Onlinekursen 3 x mehr Kunden haben und entsprechend mehr Umsatz machen als Frauen mit ihren Onlinekursen. Plusminus.

Und das bedeutet: Männer machen im Durchschnitt schneller und mehr Umsatz als Frauen. Wenn jetzt aber genau diese Männer Kurse geben, in denen sie Frauen erklären, wie sie ihr Online-Business aufbauen, sitzen sowohl die Männer als auch die Frauen einem blinden Fleck auf: Wenn der gewünschte Erfolg bei den Frauen ausbleibt, denken sich viele Männer: Aber bei mir und vielen anderen hat es doch geklappt! Ich weiß, dass diese Methode funktioniert! Und dann lautet die Empfehlung an die Frauen: mach mehr davon, mache es besser, mache es intensiver! Dabei haben Frauen ausgerechnet von zwei wichtigen Ressourcen oft weniger als Männer: Zeit und Energie.

4. Männer denken Mental Load oft nicht mit

Ein Online-Business aufzubauen, ist eine Herausforderung: Es gibt zig Themen, in die man sich hineinarbeiten muss. Zudem muss man Sichtbarkeit aufbauen, Angebote entwickeln, technische Abläufe aufsetzen und Launches planen. Leichter und schneller geht es, wenn man genug Zeit und geistige Bandbreite dafür hat. Die meisten Frauen, die ich kenne, die sich ein Online-Business aufbauen wollen, machen das aus der Mutter-Position heraus. Und die ist, was Zeit und Energie angeht, nicht gerade die Pole-Position.

Frauen bzw. Mütter haben oft viel mehr Mental Load als ihre männlichen Partner. Mental Load ist die psychische Belastung, die durch das Organisieren und Planen von Alltagsaufgaben entsteht, die oft unsichtbar sind und nicht direkt wahrgenommen werden. Das geht von der Planung des Abendessens über das rechtzeitige Kaufen von neuen Winterschuhen bis hin zum Besorgen von Geburtstagsgeschenken. Mit einer Mischung aus männlichen Privilegien und strategischer Inkompetenz wälzen viele Männer den Mental Load und viele Hausarbeiten auf die Frauen in ihrem Umfeld ab. Und so haben Frauen noch weniger Zeit und Energie, um sich z. B. ein Online-Business aufzubauen.

Und: Ein Online-Business aufzubauen, kreiert ja auch Mental Load! Weil Frauen aber oft weniger Einkommen haben, als Männer, können sie diesen neu entstandenen Mental Load nicht so schnell outsourcen, wie es Männer oft machen (z. B. die Steuern, administrative Tätigkeiten oder das Aufsetzen von Werbeanzeigen). Hier entsteht ein Nachteil, der sich schnell zu einem strategischen Rückstand ausweitet.

Unter diesem Aspekt betrachtet, ist klar, warum ich in meinem Blogkurs The Content Society seit 2021 jeden Montag einen ganz konkreten Blogartikel-Vorschlag mache. Und warum ich seit Ende 2024 sogar Textvorlagen für jeden Blogartikel dazugebe: Um den Mental Load zu reduzieren und um Zeit beim Bloggen zu sparen.

Aber: Man muss auch ganz klar sagen, dass Frauen den Mental Load nicht automatisch mitdenken, nur weil sie Frauen sind. Das ist kein Automatismus, wie ein Kommentar unter meinem Instagram-Posting zeigt:

5. Konsistenz ist für Männer oft einfacher

Vor einiger Zeit habe ich auf Instagram einen interessanten Account entdeckt: Ein junger Mann (ich schätze ihn auf 23 Jahre, also halb so alt, wie ich) erzählt dort über seine Reise der persönlichen Weiterentwicklung. Und wie er seine Habits, also Gewohnheiten, trackt und sich so in 75 bzw. 90 Tagen zur besten Version seiner selbst entwickelt. Und ich so: Cool! Ich fange jetzt auch an, meine zig Gewohnheiten zu tracken! Ich habe mir also ein neues Notizbuch geschnappt, den täglichen Tracker reingemalt – und los gehts! Und dann kamen die Schulferien. Ah, ich muss ja was mit den Kindern unternehmen! Und, zack, ist mein Habit-Streak, also die ununterbrochene Erfolgs-Serie, gerissen. Na gut, kann ja mal vorkommen und ist ja auch nicht so schlimm. Aber dann kam ein Wochenende mit Fußballturnier. Und dann hatte ich einfach ein paar Tage, an denen ich null Energie hatte. Das gehört zu meinem Zyklus dazu – und ich habe gelernt, das als Teil meines Ichs anzunehmen. Da war dann nichts mehr mit Habit Tracking. Denn ich bin zyklisches Wesen.

Nach einem Monat habe ich dieses Habit-Tracking-Experiment abgebrochen. Ich habe zig Gewohnheiten, aber ich habe gelernt, sie nicht mehr offiziell zu tracken. Ich mache sie einfach so, jeden Tag, wie sie mir gerade reinpassen. Meistens mache ich morgens meine Dehnübungen. Meistens habe ich über 10.000 Schritte pro Tag. Meistens frühstücke ich. Aber eben nicht immer. Denn: Im Gegensatz zu dem jungen männlichen Insta-Influencer habe ich einen Zyklus. Das führt jeden Monat zu hormonellen Schwankungen, die mein Energieniveau beeinflussen. Ich habe Kinder, ich habe Familie, ich habe Aufs und Abs, die eine „harte“ Konsistenz fast unmöglich machen. Selbst bei meiner neuen Super-Leidenschaft „Spanisch lernen“ setze ich fast jeden Monat ein paar Tage aus, weil ich es einfach nicht hinkriege. Und das ist okay! Aber es passt halt nicht in das Hustle-Denken, das von einem täglich gleichbleibenden Energielevel ausgeht. Ich habe Energiekurven mit teils massiven Ausschlägen. Jedes Auf wiegt bei mir 5 Abs auf. Aber: ich kann nicht täglich dauerhaft das gleiche Level halten. Problematisch wird das bei Kursen, die auf „harte“ Konsistenz setzen, wie z. B. 30-Tage-Challenges, bei denen man jeden Tag ein Reel posten muss.

Auch ich lege Wert in meinen Kursen auf Konsistenz: Ich empfehle, einen Blogartikel pro Woche zu schreiben. Aber: Ich sage immer dazu, dass das eine unverbindliche Blog-Empfehlung ist. Und dass ich selbst nicht jede Woche konsequent blogge. Damit nehme ich bei meiner weiblichen Zielgruppe den Druck raus, immer das gleiche Energie-Level halten zu müssen. In den Lives, die ich jeden Montag in meinem Blogkurs mache, sage ich immer wieder: Es ist okay, wenn du in letzter Zeit nicht gebloggt hast! Hauptsache, du fängst irgendwann wieder damit an! Und dann musst du dich nicht entschuldigen oder erklären! Fang einfach wieder an!

Viele Frauen erleben ihren Alltag nicht als linear und konstant. Zyklus, Schwangerschaft, Fehlgeburten, Geburt, Stillzeit, Perimenopause, Menopause, Care-Arbeit, Familienverantwortung und mentale Dauerbelastung (Mental Load) beeinflussen Energie, Fokus und Belastbarkeit oft stark. Genau deshalb greifen viele Erfolgsmodelle zu kurz, die von täglich gleicher Leistungsfähigkeit ausgehen. Wenn ich also z. B. sehe, dass ein Mann seit Jahren x-mal pro Woche seinen Newsletter verschickt oder konsequent täglich bloggt (wie Seth Godin), nehme ich das anerkennend wahr. Und gleichzeitig lasse ich diese „harte“ Konsistenz als vermeintlichen Erfolgsfaktor los.

Fazit: „Decentering Men“ im Business heißt, Frauen stärker mitzudenken

Auch für Männer ist die Tatsache, dass ihr Erfolg stark auf Privilegien beruht, eine harte Erkenntnis. Sie sind es gewohnt, dass ihre Erfolge ihrem Wissen, Engagement oder ihrem einzigartigen Genie zugeschrieben werden. Wir alle kennen den Mythos des „Self-Made Man“, der alles aus eigener Kraft geschafft hat! Dass Männer es aber wegen ihres Geschlechts einfacher haben könnten? Das passt nicht in ihr Selfmade-Weltbild. Dieses Privileg zu dekonstruieren, ist harte Arbeit. Jeder Mann, der sich auf diese beschwerliche Reise begibt, hat meinen höchsten Respekt. Und ich bin mir sicher: Es lohnt sich!

Ich glaube nicht, dass die Lösung darin liegt, dass Frauen sich noch besser an männliche Maßstäbe anpassen sollten. Ich glaube auch nicht, dass Männer grundsätzlich keine guten Coaches, Autoren oder Lehrer sein können. Wir müssen damit anfangen, Frauen mehr in den Fokus zu rücken! Nicht, weil Männer nicht kompetent wären. Sondern: Weil Frauen AUCH kompetent sind!

Ich glaube, dass viele Männer ihrer Kurse und Coachings auf Voraussetzungen aufbauen, die für Frauen oft nicht gelten. Auf Privilegien. Auf einem automatischen Vertrauens- und Kompetenzvorschuss. Auf einer Selbstverständlichkeit, die frei(er) ist von Content-Ängst, Mental Load und sozialer Sanktionierung.

Genau deshalb möchte ich Frauen mehr in den Fokus rücken. Ich möchte ihre Arbeit und ihr Wissen sichtbarer machen und mein Geld bewusster zu ihnen tragen. Nicht aus blindem Geschlechterbonus (den haben viele Männer schon zu lange bekommen). Sondern weil weibliche Perspektiven im Business viel zu lange unterschätzt und nicht mitgedacht wurden.

Dieses Konzept, Frauen stärker in den Fokus zu rücken, heißt „Decentering men“. Das ist eine Bewegung, bei der sich Frauen mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen – und die Männer aus diesem Mittelpunkt rausrücken. Es geht also darum, Männer, männliche Experten oder die Frage „Wie wirke ich auf Männer?“ nicht mehr ins Zentrum des eigenen Lebens zu stellen. Stattdessen geht es darum, die eigene Zeit, Energie, Identität und Entscheidungen stärker an sich selbst auszurichten. Diese Bewegung richtet sich nicht gegen Männer, sondern gegen die patriarchale Erwartung, dass Frauen die Bedürfnisse der Männer wie eine Selbstverständlichkeit über ihre eigenen stellen sollen. Hier ist ein interessantes Reel dazu. Hier ist ein anderes Reel zum Thema Trauer beim Decentering.

Decentering bedeutet auch: Dass wir uns als Frauen unsere Weiblichkeit und Spiritualität nicht (mehr) von Männern erklären lassen. Von Männern, die auffällig oft sehr fragwürdige Ansichten über Frauen haben. Stichwort: Deepak Chopra, ich empfehle dieses Reel dazu. Dass wir aber auch bei „klassischen Männerthemen“, wie Technik und KI nicht automatisch denken, dass Männer kompetenter sind. Dass wir also mehr Kurse, Bücher und Coachings von Frauen kaufen. Nicht nur, damit wir das Geld verstärkt zu Frauen tragen, sondern auch, weil uns diese Frauen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Perspektiven jenseits des männlichen Default-Modus aufzeigen. Damit tragen wir einen kleinen Beitrag zu einem ausgeglicheneren Geschlechterverhältnis bei. Und nein, das heißt nicht, dass wir keine Kurse mehr von Männern kaufen sollten. Ich selbst bin in einer Membership von einem Mann und ich überlege mir gerade, in eine deutschsprachige Community von einem Mann einzusteigen. Und ich habe schon zig Bücher und Kurse von Männern gekauft. Es heißt aber: Dass wir uns bei jedem Kurs, bei jedem Buch und bei jedem Coaching, das wir kaufen wollen, fragen: Fühle ich mich hier als Frau wirklich mitgedacht? Bildet dieses Angebot meine Lebensrealität ab? Hilft es mir wirklich oder erklärt es mir nur, warum etwas bei Männern scheinbar mühelos funktioniert?