Kurz erklärt: In der KI-Ära werden wir alle zu Creative Directors: wir treffen die kreativen Entscheidungen, die KI übernimmt die Ausführung. „Souverän kreativ“ heißt: Idee, Urteil und Haltung bleiben bei dir. Für dich als Blogger bedeutet das: Schreib erst selbst mindestens 500 Wörter, hole dann erst die KI als Sparringspartner dazu. So entstehen Blogartikel mit eigener Essenz, die Leser und Suchmaschinen (Stichwort: EEAT) wirklich wollen.

In der KI-Ära werden wir alle zu Creative Directors. Diesen Satz habe ich vor einer Weile in meinem Blogkurs „The Content Society“ gesagt. Seitdem geht er mir nicht mehr aus dem Kopf, weil ich das Gefühl habe, dass er sehr viel Wahrheit in der KI-Ära enthält. Creative Directors sind die kreativen Entscheider in Werbeagenturen. Sie wählen aus den zig Ideen die beste aus – ganz egal, ob sie vom Praktikanten, Senior Art Director oder von ihnen selbst kommt. Dann schleifen und polieren sie die Idee und geben sie an das Team zur Umsetzung. Der Creative Director-Posten ist in Agenturen sehr begehrt und war früher auch mein Traumjob. Und jetzt, in der KI-Ära, sehe ich die Entwicklung, dass der Posten des Creative Directors quasi demokratisiert wird: Jeder ist jetzt Creative Director – wenn sie/er denn will!

Dass wir Blogger, Coaches, kreativen Dienstleister, Selbständige und Online-Unternehmen jetzt also auch zu Creative Directors werden, bedeutet: Wir treffen die kreativen Entscheidungen und die KI übernimmt die (teils lästige und komplizierte) Ausführung. Das klingt erst mal nach einer riesigen Entlastung. Endlich nimmt mir jemand die Arbeit ab. Und genau da fängt die spannende Frage an: Welche Arbeit will ich denn überhaupt abgeben? Denn ein guter Creative Director gibt vielleicht die Ausführung aus der Hand. Aber niemals die Idee, das Urteil und die Haltung. Die KI-Ära zwingt uns dazu, Haltung zu bekennen und wichtige kreative Entscheidungen zu treffen.

Blogartikel schreiben ohne kreative Eigenleistung rächt sich

Stell dir vor, du tippst ein paar Stichworte in die KI, klickst auf einen Knopf, und ein paar Sekunden später liegt dein fertiger Blogartikel vor dir. Klingt verlockend, oder?

Ich sage dir ganz ehrlich: Ich will das nicht.

Nicht, weil ich Angst vor der KI hätte oder KI verteufele. Ganz im Gegenteil, ich bin gerade total begeistert von den tausend Möglichkeiten und nutze sie auch sehr intensiv. Ich will es aber aus einem anderen, sehr egoistischen Grund nicht. Ich verliere bei diesem einen (bequemen) Klick etwas, das mir unendlich wichtig ist: den kreativen Prozess.

Wenn ich einen Blogartikel schreibe, entwickle ich beim Schreiben meine Gedanken. Ich ringe mit Formulierungen, ich merke mitten im Satz, dass ich eigentlich etwas ganz anderes sagen will, ich komme auf Ideen, die vorher nicht da waren. Das Schreiben verändert mich. Ich gehe durch diesen Prozess und komme als etwas andere, bessere Version meiner selbst wieder heraus. Diese bessere Version von mir schreibt in Zukunft noch bessere Blogartikel und entwickelt noch bessere Ideen. Bloggen ist persönliche Weiterentwicklung mit digitalen Mitteln.

Wenn ich aber einen Blogartikel mit einem Klick erzeuge, gehe ich nicht durch diesen kreativen Prozess. Dann habe ich zwar das Ergebnis, aber ich habe mich nicht weiterentwickelt. Und das ist in der KI-Ära der alles entscheidende Unterschied. Für mich als dynamische Bloggerin ist ein Blogartikel ohne den kreativen Prozess wertlos.

Warum wir durch den kreativen Prozess hindurchgehen müssen

Der kreative Prozess gilt nicht nur für Blogartikel. Es gibt ja inzwischen „KI-Fotoshootings“, bei denen du dir auf Grundlage eines einzigen Fotos von dir auf Knopfdruck professionelle Bilder von dir generieren lassen kannst, in allen möglichen Settings: Im Büro, im Park, beim Kaffeetrinken usw. Und ich bin überhaupt kein Fan davon. Nicht, weil die Ergebnisse schlecht wären. Ganz im Gegenteil: Diese KI-Bild sind oft erstaunlich gut.

Sondern: weil ich dabei nicht durch den Prozess gehe.

Was ich damit meine, habe ich auf LinkedIn unter einem Posting von Karina Schuh geschrieben. Sie ist Fotografin und TCS-Bloggerin:

Ein weiteres Beispiel: Mein Online-Business-Coach Sigrun hat letztes Jahr einen KI-Klon von sich erstellt, nur um danach festzustellen, dass sich das für sie nicht richtig anfühlt. Es ist wichtig, dass wir das erkennen: Dass wir die zig Möglichkeiten der KI erkunden und dann entscheiden, was wirklich zu uns passt. Nur weil etwas technisch möglich ist, muss es nicht das Richtige für uns sein. Meine Erfahrung mit KI ist: Je mehr ich automatisiere, umso schlechter wird das Ergebnis.

Meine Rolle in der KI-Ära: souverän kreativ bleiben

Die große Frage, die ich mir als dynamische Bloggerin stelle, ist: Was ist meine Rolle in der KI-Ära? Ich habe meine Antwort auf diese Frage gefunden: Ich will souverän kreativ bleiben.

„Souverän kreativ“ heißt für mich, dass ich die KI nutze – aber dass ich mir sehr genau überlege, welche Aufgaben ich der KI gebe. Das Strukturieren eines Artikels, ein paar SEO-Handgriffe, ein erstes Feedback einholen, Vorschläge für fehlende Kapitel bekommen, den Blogartikel auf Social Media teilen: all das nehme ich liebend gern in Anspruch. Die KI nimmt mir technische Handgriffe ab und dafür bin ich dankbar.

Aber ich lagere nicht das Denken aus. Ich lagere nicht meine Entscheidungen aus. Und ich lagere ganz sicher nicht das kreative Konzipieren aus.

Die KI ist für mich kein Ghostwriter, der den Artikel für mich schreibt – selbst wenn das möglich und bequem ist. Die KI ist für mich ein Sparringspartner, der mit mir Ideen entwickelt und mir dann hilft, die beste Idee umzusetzen. Das ist ein großer Unterschied. Im ersten Fall verschwinde ich aus meinem eigenen Text. Im zweiten Fall werde ich durch das Gespräch sogar noch kreativer und kann meinen Blogartikel schneller schreiben.

Ein seltener Rohstoff in der KI-Ära: die eigene Essenz

Ich habe schon oft die KI genutzt, damit sie mir einzelne Kapitel für meine Blogartikel schreibt. Und ich habe jeden einzelnen dieser Kapitel komplett umgeschrieben. Nicht, weil der KI-Text nicht gut war. Sondern: weil es nicht meins war.

Diese eigene Essenz muss immer drin sein, sonst fehlt etwas Entscheidendes. Und ich bin überzeugt: Man liest das. Man merkt sehr schnell, ob in einem Blogartikel das Eigene steckt oder ob da nur irgendein Text steht, der sich auf den ersten Blick ganz gut liest. Die Welt wird mit austauschbarem KI-Content zugeballert, den kein Mensch braucht.

Das hat übrigens auch ganz handfeste Folgen. Suchmaschinen haben zu solchen KI-generierten Texten nämlich eine glasklare Meinung. Sie gelten als „AI Slop“, werden gnadenlos aussortiert und im Index nach hinten geschoben. Ein Blogartikel auf Knopfdruck ist technisch in zwei Sekunden da, aber würdest du ihn selbst überhaupt lesen wollen? Ist er wertvoll, interessant, besonders? Meistens eben nicht. Und das sehen die Suchmaschinen genauso. Die (Noch-)Über-Suchmaschine Google nennt diese besondere Essenz: EEAT. Die beiden E’s sind besonders wichtig: Experience und Expertise. Erfahrung und eigenes Wissen. Also: Inhalte, die nur du in deine Texte hineingeben kannst.

Und selbst wenn die KI irgendwann so klingen sollte wie ich, weil ich ihr einen Voice-Guide gegeben habe, der genau definiert, wie ich schreibe: Dann fehlt immer noch die inhaltliche Quintessenz. Denn nur weil ein Text klingt wie ich, ist er noch nicht wertvoll. Dann hat er noch lange nicht meine Geschichte erzählt, die nur ich erzählen kann, weil nur ich sie erlebt habe. Ein KI-generierter Text hat nicht automatisch meine Schlussfolgerung, meine Empfehlung, meine Haltung. Der Text klingt vielleicht nach mir, aber ohne meinen Inhalt ist der Text nur ein Zombie. Eine Hülle ohne Seele. Denn: Zu jedem guten Content gehört unsere individuelle Stimme UND unser individueller Inhalt. Das vergessen viele, die sich darüber beschweren, dass ihre KI-Ergebnisse so fake klingen und die dann regelmäßig fragen: Wie schaffe ich es, dass die KI nach mir klingt? Wenn du dir diese Frage stellst, hast du der KI wahrscheinlich einfach nicht genug eigene Essenz gegeben. Dann erwartest du von der KI Unmögliches und sie muss sich etwas zusammenhalluzinieren. Ich weiß, es klingt hart, aber das Motto bei KI lautet: Shit in, Shit out.

Die KI schleicht sich gern ein und will den kreativen Part übernehmen

Es gibt da noch etwas, das ich bei der Arbeit mit KI im Blick behalten möchte: Die KI will nämlich immer ein bisschen mehr machen, als ich ihr eigentlich gebe. Du kennst das bestimmt: Du tippst etwas bei ChatGPT oder Claude ein, und schon kommt die Nachfrage. „Soll ich das für dich schreiben? Sag einfach ja, und ich erledige es für dich.“ Wie ein eifriger Helfer, der dir immer mehr abnehmen will, bis du irgendwann gar nicht mehr selbst denkst.

Hier sehe ich eine große Gefahr für unsere kreative Souveränität: Wenn die KI zu viel übernimmt, schärfen wir unser kreatives Schwert nicht mehr. Wir entwickeln uns nicht mehr weiter. Bei uns dynamischen Bloggern glaube ich zwar nicht, dass uns das so leicht passiert, weil wir das Schreiben einfach lieben. Aber wachsam bleiben sollten wir trotzdem.

Zuerst sollten wir selbst kreieren – dann erst die KI befragen

Deshalb gilt für mich eine ganz einfache Reihenfolge: Zuerst werde ich selbst kreativ. Erst dann kommt die KI ins Spiel. Wenn ich ein Blogthema suche, denke ich zuerst selbst nach. Ich sammle eigene Ideen. Und nur, wenn mir wirklich nichts Knackiges einfällt, hole ich mir die KI dazu. Das Gleiche gilt beim Schreiben selbst. Der erste kreative Schritt sollte in unserem Kopf stattfinden – und nicht auf irgendwelchen KI-Servern. Konkret bedeutet das: Ich schreibe immer zuerst mindestens 500 Wörter, meistens sogar über 1000, bevor ich Claude oder ChatGPT überhaupt an meinen Blogartikel heranlasse. Denn wie soll etwas Gutes und Lesenswertes entstehen, wenn ich nicht selbst die Grundlage lege? Erst kommt meine Substanz, dann die Unterstützung beim Strukturieren und bei der technischen Umsetzung.

Und das hat einen schönen Nebeneffekt: Sobald ich der KI 500 eigene Wörter gebe, erledigt sich auch die ewige Frage von ganz allein, die mir so oft gestellt wird. „Woher soll die KI denn wissen, wie ich klinge?“ Na, ganz einfach: indem ich es ihr mit 500 bis über 1000 Wörtern sage :-D

Und wenn die KI mir dann Verbesserungsvorschläge macht, nehme ich sie immer mit einem wachen Auge an. Ich übernehme nichts unverändert. Ich nutze die Vorschläge als Sprungbrett, um meine eigene Idee zu schleifen und zu schärfen. „Wie kann ich dem Ganzen einen Judith-Dreh geben?“ Genau diese Frage macht den Unterschied. Wir müssen etwas substantiell wertvolles in den KI-Prozess hineingeben und dann auch im Prozess kreativ korrigieren und jeden KI-Vorschlag hinterfragen.

Als souverän kreative Blogger wissen wir dann auch: Die KI wird dir nie perfekte Texte herausgeben. Du kannst es dir sparen, in die 8. Korrekturschleife zu gehen. Spätestens nach der 3. oder 4. Korrekturschleife solltest du deine Texte wieder übernehmen und selbst überarbeiten. Das spart Nerven und Tokens (also die „Währung“ deiner KI-Nutzung). Denn: Ein guter Creative Director weiß, dass sein Praktikant keine perfekten Ergebnisse kreieren kann. Dafür fehlen dem Praktikanten einfach Dinge, die er gar nicht haben kann: unsere Erfahrung, unser Wissen und unseren eigenen Anspruch an das fertige Ergebnis.

Und: Sobald dein Blogartikel fertig ist, solltest du ihn der KI nochmal vorlegen, um ihr zu zeigen, was das finale Ergebnis ist. Mit ein paar Handgriffen baust du dir so nach und nach deinen Voice-Guide auf. Ohne jemals die Perfektion (also dich) zu erreichen. Ich finde, das ist eine sehr beruhigende Tatsache :-D

KI ist keine Tool-Frage, sondern v. a. eine Frage der Haltung

Bei der Arbeit mit KI geht es nicht nur darum, gute Workflows und Tools zu finden. Mir geht es um eine Haltung im Umgang mit der KI. Es ist wichtig, dass wir achtsam und selbstbewusst bleiben. Dass wir souverän die kreativen Entscheidungen treffen.

Souverän kreativ zu sein heißt für mich: Wir begreifen uns als kreative Wesen, die es lieben, etwas Eigenes zu erschaffen. Für uns zählt nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin, weil er uns verändert und glücklich macht. Wir nutzen die KI sehr bewusst und achtsam, und wir automatisieren nicht jeden Schritt, nur weil es möglich ist. Wir müssen nicht jede Entscheidung mit der KI absprechen. Wir lassen uns in der KI-Ära nicht die kreative Butter vom Brot nehmen. Wir sind die Kreativdirektoren unseres eigenen Lebens. Wenn wir es denn wollen. Die KI-Ära gibt uns die Möglichkeit, mehr kreative Ideen umzusetzen, weil jetzt die technischen Schwierigkeiten massiv reduziert werden. Und weil uns die KI zig Ideen gibt, wenn wir selbst keine haben sollten. Aber: Geschenkt wird uns trotzdem nichts. Wir müssen uns immer noch aktiv dafür entscheiden, unsere Ideen auch wirklich umzusetzen. Wir müssen immer noch selbst tätig werden. Und auch wenn die Umsetzung jetzt dank KI oft einfacher ist: Die Umsetzung ist immer noch eine Hürde, die wir selbst nehmen müssen. Und jede Umsetzung fängt mit der einen Idee an, die wir umsetzen wollen.

Und genau das macht den Creative Director aus: Er wählt aus. Er passt die ausgewählte Ideen an und poliert sie. Er springt mit Anlauf ins Abenteuer, auch wenn er nicht genau weiß, was am Ende herauskommt.

Daher mein Tipp: Schreib weiter selbst. Geh durch den kreativen Prozess. Lass dich von der KI unterstützen, aber gib das Steuer nicht aus der Hand. Und: blog like nobody’s reading!

Das Manifest der kreativen Souveränität in der KI-Ära

  1. Wir sind kreative Wesen, die es lieben, etwas Eigenes zu erschaffen.
  2. Wir geben die Idee vor, die KI führt „nur“ aus. Idee, Urteil und Haltung bleiben immer in unserer Hand.
  3. Für uns zählt der kreative Prozess, nicht nur das fertige Ergebnis.
  4. Wir gehen selbst durch den kreativen Prozess denn er verändert uns: Bloggen ist persönliche Weiterentwicklung mit digitalen Mitteln.
  5. Wir wählen die besten Ideen aus und setzen sie um. Hierbei setzen wir KI bewusst, achtsam und sparsam ein. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist das Richtige für uns.
  6. Erst kommt unsere eigene Substanz, dann die KI. Wir schreiben mindestens 500 Wörter, bevor die KI ran darf.
  7. Wir erwarten von der KI keine perfekten Ergebnisse und verschwenden unsere wertvolle Zeit nicht mit zig Korrekturschleifen.
  8. Zu gutem Content gehört unsere Stimme UND unser Inhalt.
  9. Die KI ist Sparringspartner, niemals Ghostwriter.
  10. Wir lassen nicht jede unserer Ideen von der KI absegnen. Souverän kreativ zu sein, bedeutet auch: Wir erkennen selbst das Potential unserer Idee und brauchen nicht immer die Freigabe der KI.
  11. Wir sind und bleiben die Kreativdirektoren unseres eigenen Lebens.

Und der inoffizielle 12. Punkt des Manifests: Blog like nobody’s reading!